Die Meldung ist nun schon einen Tag alt. Blackberry, Pionier auf dem Gebiet der smarten Telefonie, stellt seine Hardware-Entwicklung ein. Ganz weg ist das Unternehmen aber nicht.
Schon über viele Jahre hatte es Gerüchte gegeben, dass RIM bzw. Blackberry angesichts stark sinkender Marktanteile in der Handysparte seine Hardware-Entwicklung und -Produktion einstampfen könnte. Zuletzt hatte es mit dem Android-Telefon Blackberry PRIV ein wenig Oberwasser gegeben, mehr als ein kurzes Aufflammen der einstigen Glanzzeiten war es dennoch nicht. Und so standen zuletzt 0,1 Prozent Marktanteil weltweit zubuche – zu wenig. Viel zu wenig.

Zukunft oder Untergang? Blackberrys Schicksal hing auch vom Erfolg des PRIV ab. (Bild: Blackberry)
Blackberry-Chef John Chen hat deshalb die Reißleine gezogen. Das Unternehmen plane, die Entwicklung von Smartphones auszulagern. Über den Niedergang des Smartphone-Pioniers ließen sich Bücher schreiben. Kurz zusammengefasst ginge die Geschichte aber wie folgt: 1999 brachte das Unternehmen Research in Motion (RIM) das Blackberry 850 auf den Markt. Es war das erste Telefon, mit dem es möglich war, auch unterwegs Emails zu empfangen, zu beantworten oder selbst zu schreiben. Möglich war dies vor allem durch eine exzellente Tastatur, die für die Nachfolgemodelle immer weiter verbessert wurde. Blackberry, das war nicht nur aufgrund physischer Tasten ein Phänomen. Geschäftskunden schätzten außerdem die Sicherheitsmerkmale der Telefone. Ein Blackberry zu knacken galt als unmöglich, die Kommunikation wurde über Server verschlüsselt – wenngleich später die kanadischen Behörden auf eben diese Schlüssel zurückgreifen konnten und der Schutz damit obsolet war.
Der Sinkflug setzte ein, als sich Apple zum großen Sprung bereit machte. Mit der Vorstellung des ersten iPhone im frühen Jahr 2007 waren Tasten überflüssig, war schickes Design gefragter und nur knapp ein Jahr später das App-Angebot ein nicht unwesentlicher Kaufgrund. Blackberry hatte noch immer seine Verschlüsselungsmethoden und die Tastatur – bis 2009 (20,1 Prozent Marktanteil) konnte das Unternehmen noch einigermaßen mithalten.
Blackberrys Passport: Mutig und erfolglos. (Bild: Pexels.com)
Fixiert auf die physische Tastatur, kam mit dem Blackberry Storm ein Hybrid-Telefon auf den Markt, das kaum Beachtung fand, ähnlich erging es dem Torch mit seiner Schiebetastatur. Zuletzt verwendete das quadratische Blackberry Passport die physische Tastatur. Die treuen Käufer freute es, die Masse bekam nicht einmal die Veröffentlichung mit.
Den Turnaround sollte das PRIV schaffen. Blackberrys Android-Premiere wurde von der Fachpresse gefeiert – erstmals wurde das kanadische, bewährte Design mit einem Betriebssystem zusammengeführt, für das das App-Angebot so groß war, dass es dem Zeitgeist genügte. Ein Verzicht auf unzählige Spiele, Büro-Anwendungen oder Messenger, die unter Blackberry OS nicht verwendet werden konnten, war für viele Nutzer keine Option.
Das PRIV blieb hinter den Verkaufserwartungen zurück, seitdem spekulierte man noch lauter als sonst über den Abschied aus der Hardware-Entwicklung und -Produktion. Aus der Welt ist Blackberry dennoch nicht. Erste Blackberry-Apps gibt es auch für andere Android-Telefone, das Unternehmen möchte weiter Android-Systeme und -Anwendungen entwickeln, die höchsten Sicherheitsstandards genügen sollen. Den Namen Blackberry möchte man zudem als Marke an andere, unbekanntere Hardware-Produzenten wie TCL mit dem DTEK60 (Exklusive Bilder der Kollegen von Winfuture sind hier zu finden) lizenzieren, ähnlich wie es die Rumpfgesellschaft von Nokia seit dem Aufkauf von Microsoft tut. Geschäftskunden und Hardware-Firmen als Lizenznehmer im Visier klingt das nach einer Bezahlstrategie, die aufgehen kann – oder den Namen Blackberry endgültig tilgt.
Der Abgang eines großartigen Hardware-Fabrikanten wird dennoch bedauert.
(Aufmacher via Pexels.com, via)