Ein iOS-Entwickler macht die Offenheit von Android dafür verantwortlich, dass es so viele Raubkopien gibt. Auslöser waren die Entwickler von Dead Trigger, die das Spiel auf Grund einer hohen Piracy-Rate nun kostenlos anbieten. Doch ist es wirklich die Offenheit des Systems, dass die Leute veranlasst, Raubkopien zu nutzen und die Entwickler zu schädigen?
Um die Meinung von Matt Gemmell kurz zusammen zu fassen: Er ist der Meinung, dass sich mit Android kein Geld verdienen lässt, da es dem Nutzer zu einfach gemacht wird, gestohlene Software zu installieren. Er schwört auf das geschlossene System von iOS und sieht nur in diesem System eine Chance, als Entwickler Geld zu machen. In seinem langen Blogpost fallen Phrasen wie “designed for piracy” und “broken business model”. Auf den Artikel wurde via intomobile gestoßen.
Macht Android es dem Nutzer wirklich einfacher, geklaute Apps zu installieren als andere Plattformen?
Auf den ersten Blick vielleicht ja, befasst man sich aber etwas genauer mit verschiedenen Systemen, fällt auf, dass es letztendlich auf keiner Plattform eine große Hürde ist, Geld durch Raubkopien zu sparen. Was ist also der ausschlaggebende Grund für diese vorherrschende Meinung? Warum kaufen iOS-Nutzer mehr Apps, bzw. sind bereit auch Geld für Apps auszugeben?
Auf einem Android-Gerät braucht man weder Root noch irgendwelche speziellen Kenntnisse, um schnell an geklaute Apps zu kommen. Meist reicht es, nach der gewünschten App zu suchen, einen File Manager zu installieren und mit diesem dann die frisch geladene APK-Datei zu installieren. Also eigentlich nur drei Schritte: Datei-Manager installieren, APK herunterladen, APK installieren.
Aber ist es auf iOS-Geräten viel schwerer?
Das iOS-System ist geschlossen. Also sollte es doch wesentlich komplizierter sein, sich auf illegalem Weg Apps zu besorgen. Tatsächlich aber sind ebenfalls nur drei Schritte vonnöten, bis die erste gecrackte App auf dem Gerät zu haben. Und dies, iOS-typisch, auf einem sehr bequemen Weg. Vorraussetzung ist hier ein Jailbreak. Dieser kann von jedermann mit einem Klick ausgeführt werden.
Längst ist das nicht mehr so kompliziert wie es anfangs einmal war, stellt also keine Hürde dar. Der zweite Schritt ist die Installation eines AppStores eigens für gecrackte Apps. Der dritte Schritt ist die Nutzung des illegalen AppStores auf die gleiche Weise, wie man den original AppStore benutzt. Also ebenfalls drei Schritte – und man muss sich die gecrackte Software nicht erst mühselig zusammen suchen.
An der Hürde der Installation kann es also nicht liegen, dass die Nutzer nicht bereit sind, Software für ein paar Cent zu kaufen. Es ist zwar einfach, Raubkopien auf einem Android-Gerät zu installieren, noch einfacher ist es jedoch, die Software legal aus dem Google Play Store zu laden. Jedenfalls genau so einfach wie auf einem Apple-Gerät.
Auch das alte Argument der Kreditkarten-Abrechnung kann nicht schuld sein, in den USA sind Kreditkarten sehr weit verbreitet. In der Folge würde das heißen, dass in den USA kaum Raubkopien genutzt werden, sondern nur da, wo der Zugang zu einer Kreditkarte noch nicht Standard ist. Und dem ist nicht so.
Android = kostenlos
Ist es die “Offenes-System”-Mentalität der Nutzer? Android wird in den Köpfen vieler automatisch mit kostenlos in Verbindung gebracht. Das System kann von Hardware-Herstellern kostenlos genutzt werden, richtig. Das hat aber nichts mit der Software zu tun, die für das System erhältlich ist. Das scheint bisher noch nicht zu den Nutzern vorgedrungen zu sein. Ist eins kostenlos, hat alles andere auch kostenlos zu sein? Es ist schwer, diese Mentalität zu verstehen oder zu erklären, da sie für einen Software-Käufer schlecht nachvollziehbar ist.
Die App-Preise bewegen sich im Cent-Bereich. Auf keiner Plattform ist qualitativ hochwertige Software günstiger zu bekommen als auf den aktuellen mobilen Betriebssystemen. Spiele für nicht einmal einen Euro, Office-Suiten für Beträge, die man im PC-Bereich niemals finden wird. Entwickler, die ihre aufwändig produzierte Software zu Ramschpreisen anbieten, um wenigstens ein paar Euro zu verdienen.
Wie eine DPA-Studie im vergangenen Jahr zeigte, sind Android-Anwender generell weniger bereit, für die Arbeit der Entwickler zu bezahlen. Die gleichen Leute, die bei Starbucks einen Becher Kaffee für fünf Euro kaufen, sorgen damit aber dafür, dass sich ein Entwickler im Extremfall eben diesen Becher Kaffee nicht leisten kann.
Offen oder geschlossen?
Gibt es eine Lösung für dieses Problem? Sollte Google irgendwann den Schritt gehen und Android so weit schließen, dass es nicht mehr so einfach ist, beliebige Software zu installieren? Hätte dies einen Effekt auf App-Verkäufe? Nein. Das Problem ist der Nutzer, nicht das System. Solange Nutzer bereit sind, sich Software auf illegalem Weg zu besorgen, wird dies auch ohne großen Aufwand möglich sein. PC, MAC, iOS, Android, es gibt überall Raubkopien, es spielt keine Rolle wie offen oder geschlossen das System ist.
Selbst ein ausgereifter Kopierschutz hält nur eine gewisse Zeit, bevor er geknackt ist. Schließt Google nun das Android-System, widersprächen sie dem Android-Grundgedanken eines offenen Systems, und man kann durchaus vermuten, dass dies erst recht zu einer weiteren Verbreitung von Raubkopien führen kann, da man dem Google-Riesen so beweisen könnte, dass es eben nicht so einfach ist, Raubkopien zu verhindern.
Abschließend lässt sich sagen, dass eine Eindämmung von Raubkopien nur von den Nutzern selbst kommen kann. Das kann kein Microsoft, kein Google und kein Apple verhindern. Die Nutzer sollten sich bewusst sein, was sie einem Entwickler antun, wenn sie eine 1-Dollar-App nicht kaufen. Jeder möchte für seine Arbeit bezahlt werden, da kann es nicht sein, dass man, nur weil man ein offenes System nutzt, Software stiehlt.
Worin liegt nach Ansicht der Leser das Problem der Raubkopien? Sind die Leser bereit für Smartphone-Software zu bezahlen? Wenn nicht, warum nicht? Würden die Leser auf Arbeit gehen, ohne dafür bezahlt zu werden?
Kauft Apps und unterstützt somit die Entwickler, die diese erst möglich machen!
