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Veröffentlicht am Features 4 Min. Lesezeit

Apples neue Kleider

Apple lud zur alljährlichen WWDC nach San Francisco und präsentierte zum Auftakt vermeintliche Trends. Was davon wirklich neu war und was nicht – ist in diesem Special zu erfahren.

iOS 9 – eine neue Welle?

Apples erste Ankündigung war die von iOS 9. Das mobile Betriebssystem für iPhone und iPad soll ähnlich erfolgreich werden wie die achte Revision. In der Tat ist der Verbreitungsgrad auf Apple-Geräten mit 86% erstaunlich, auch wenn man bedenkt, dass es erst letztes Jahr eingeführt wurde. Apples Seitenhieb auf Android 5.0/5.1 a.k.a. Lollipop, das gerade einmal auf schmalen 12% der Android-Devices installiert ist, hinkt gewaltig. Schließlich ist Android eine Software-Plattform, die von Hardware-Herstellern adaptiert wird, während Apple alles aus einer Hand anbietet.

Eine Gemeinsamkeit bleibt aber iOS 8 und Android Lollipop: Sie gelten als extrem fehlerbehaftet. Google kümmerte sich in den Monaten nach dem Rollout um grobe Fehler, die allgemein Systemstabilität und auch Schnelligkeit, weshalb auch viele Hersteller mit der Umsetzung warteten. IOS 8 hingegen sorgte zeitweise dafür, dass Nutzer sich nicht in ihre Funknetze einwählen konnten.

Ob iOS 9 weniger Fehler zum Start aufweisen wird, ist unklar. Hinter vorgehaltener Hand beschweren sich Entwickler jedoch über ständigen “Kulturwandel” der Programmierumgebungen der iOS-Systeme, was dazu führt, dass Apps aufwendig angepasst werden müssen. Immerhin: Revision Nummer neun soll statt der vier Gigabyte derer nur noch 1,5 benötigen und auf allen iOS-8-kompatiblen Geräten laufen. Der komplette Pressetext ist hier zu finden.

iOS 9-Neuerung #1: Splitscreen

(Quelle: Apple)

Apple wird auf iPhone und iPad neuerdings einen Splitscreen und Multitasking anbieten. Es können also zwei Fenster gleichzeitig geöffnet gehalten und mit diesen gearbeitet werden. Neu und innovativ? Eher nicht, Samsung-Nutzer kennen seit dem Galaxy Note II die Funktion Multi Window, die eben das ermöglicht. Andere Hersteller wie Huawei kündigen genau das derzeit an – Apple zieht also nur nach. Und welche Geräte damit ausgestattet werden, ist noch nicht sicher.

iOS 9-Neuerung #2: Längere Akkulaufzeit

Das alte Lied: Das neue Betriebssystem soll die Akkulaufzeit dramatisch verlängern. Keine wirkliche Neuerung, eher ein PR-Reflex auf Googles Ankündigung, mit Android M ebenfalls den Akku schonen zu wollen. Was vom Versprechen übrig bleibt? Meist nichts… Und der ominöse Low-Power-Modus für i-Devices mit bis zu drei Stunden längerer Laufzeit wird auf der WWDC unkommentiert gelassen.

iOS 9-Neuerung #3: Besserer Schutz der Daten

Schon herrlich, wie sich das FBI darüber mokiert, dass Smartphones verschlüsselt werden. Apple gab nun bekannt, mit iOS 9 die Barrikaden nochmals zu verstärken. Inwieweit dies tatsächlich passiert, ist schwer einzuschätzen für den Laien. Dazu werden in nächster Zeit Experten kontaktiert – denn ähnlich klang auch Googles Schwur auf Privatsphäre. Interessant: “We just don’t wanna know” ist eines der neuen Apple-Mottos. Der Konzern möchte angeblich keinerlei Daten seiner Nutzer als Big Data erfassen und an Dritte weiter veräußern – das ist bei Google anders. Mit Daten wird eine Menge Umsatz generiert, und es ist kaum vorstellbar, dass Apples Aktionäre darauf verzichten…

Watch OS 2.0

(Quelle: Apple)

Apples neuestes Technik-Gadget, die Apple Watch wird den jährlichen Updatewahnsinn neuer Betriebssysteme mitgehen. Version 2.0 soll bereits in diesem Jahr veröffentlicht werden. Größte Neuerung: Viele Apps sollen auch ohne iPhone laufen, das Gerät wird demnach autarker. Weitere Neuerungen: Eine Alarmfunktion, auf Emails kann nun verbal geantwortet werden und Zeichen-Erkennung auf dem Touchscreen soll besser ausfallen. Der komplette Pressetext ist hier zu finden.

Apple Pay

(Quelle: Apple)

Apples Bezahldienst Apple Pay soll der Sprung über den großen Teich gelingen – in Großbritannien soll in Kooperation mit acht Banken das Zahlen via iPhone ermöglicht werden. Hier ist der Konzern Android als Plattform weit voraus. Wenn überhaupt, präsentieren Hersteller wie Samsung Insellösungen oder Google schwadroniert, dass man erst einmal in den USA Fuß fassen möchte. Von Deutschland? Bei allen Beteiligten keine Rede.

“News”

Eine App, deren Name Programm ist – Apple möchte die ausgelagerten Nachrichteninhalte in einem virtuellen Zeitungskiosk integrieren – eine clevere Entscheidung, um die Verlage an sich zu binden und einzelne Lösungen zu umgehen. Das Design kann sich ebenfalls sehen lassen. Doch Ähnliches gibt es mit Googles Play Kiosk und diversen News-Apps einzelner Android-Hersteller…

Apple Music

(Quelle: Apple)

Nun hat also auch Apple seinen hauseigenen Streamingdienst – Apple Music. Dieser basiert auf Technologie der aufgekauften Firma Beats Electronics und bietet für 10 US-Doller pro Monat zunächst eine große Bibliothek an Songs, die ohne Einschränkung gehört werden können. Anders als Spotify, die auf Playlists setzen, oder Googles Algorithmen wird Apple seinen Streamingdienst durch ausgewiesene Musikredakteure betreuen lassen, die Empfehlungen geben. Andere Vorteile gibt es gegenüber der Konkurrenz nicht. Erstaunlich aber: Apple Music wird im Herbst auf Android starten und damit viele weitere Kunden zu werben versuchen. Und die ersten drei (!) Monate sind gratis.

Fazit

Innovativ? In wenigen Punkten ist Apple möglicherweise Google voraus, siehe Bezahldienste. Davon abgesehen müht sich Apple aber nur, die Lücke zu Android zu schließen und seine Vorzüge als Unternehmen zu unterstreichen, das Hard- und Software gleichermaßen entwickelt und verkauft. Für Nutzer sind die Neuerungen mit der Lupe zu suchen. Selbst das stark gehypte Apple Music entpuppt sich als Altbekanntes unter neuem Namen. Zu wenig, um Eindruck zu schinden.