Es sind unruhige Zeiten in der Smartphone-Branche. Dank fortschrittlicher Verschlüsselungstechnologien sollen Kunden vor Fremdzugriffen besser geschützt sein. Ein Amoklauf in den USA vergangenes Jahr schafft nun aber einen Präzedenzfall, in welchem Apple seine Verschlüsselung preisgeben soll. Auch Google wäre davon betroffen.
Vergangenes Jahr kam es zu einem – wohl religiös motivierten – Amoklauf im US-Bundesstaat Kalifornien genau: San Bernadino. Ein Attentäter und seine Frau erschossen 14 Menschen und verletzten 21 weitere schwer – die Attentäter konnten nur mit massivstem Polizeiaufgebot gestoppt werden und sind tot. Aufschluss über die konkreten Tatmotive und die Planungen sowie Vernetzungen könnte der Zugriff auf Smartphone-Daten liefern. Wobei sich die Berichte widersprechen und nicht ganz klar ist, wessen Mobiltelefon genau geknackt werden soll, das der Attentäter oder eben jener dritten Person ist.
Apples iPhone als Fort Knox für sensible Daten
Bei fraglichem Mobiltelefon handelt es sich wohl um ein Apple 5c, welches dem Attentäter gehört. Dieses Telefon ist verschlüsselt und verlangt die korrekte Eingabe einer vierstelligen PIN, um auf den Speicher zugreifen zu können. Wird die PIN mehrmals falsch eingegeben, schaltet sich ein Intervall ein, welches eine Zwangspause auferlegt, ehe erneut eine Zahlenkombination eingetippt werden kann. Im Falle Apples könnte aber noch ein zweiter Mechanismus greifen: Wird die Geheimzahl zehnmal hintereinander falsch eingegeben, wird das Gerät unbrauchbar, es „brickt“ sich.
Apple wurde nun seitens des FBI und mit gerichtlicher Anordnung aufgefordert, eine Software zur Verfügung zu stellen, die eine temporäre Installation von iOS im Arbeitsspeicher erlaubt und all jene Mechanismen aushebelt, die eigentlich der Sicherheit der Kunden dienen. Argumentiert wird mit dem übergeordneten Interesse aller US-Bürger nach Sicherheit. Apple ging gestern in die Offensive, wohl auch, um die Mehrheit der Bevölkerung von eigenen Ansichten hinsichtlich der Sicherheitsmechanismen überzeugen zu können. So wäre eine speziell angepasste iOS-Version – dies es Tim Cook zufolge nicht gibt und nie geben wird – ein Freibrief, die Sicherheit aller iPhone-User aushebeln zu können. Die Programmierung einer modifizierten iOS-Fassung würde also weit über den eigentlichen Fall hinaus gehen.
Google als Apple-Verbündeter

Google-Chef Sundar Pinchai (Foto: Google)
Wenig überraschend ist, dass Google-Chef Sundar Pinchai Apple zur Seite steht und Tim Cooks Sicht auf diesen Fall teilt. Sei es drum,dass beide Konzerne arge Konkurrenten im Segment der Smartphones sind, hier herrscht Einigkeit darüber, dass die Sicherheit der Kunden nicht per se durch Sicherheitsbehörden ausgehebelt werden darf. Pinchai twitterte, dass Google sehr wohl Informationen an Strafverfolger weitergeben würde, diese aber nur in einem „rechtlich angemessenen Rahmen“. Darüber hinaus verweigere man den Behörden jedoch den Zugriff auf die Verschlüsselungsmechanismen (in Android-Geräten seit Android 5.0 Standard) und entsprechende Dekodierungsmöglichkeiten.
Im konkreten Fall des Amoklaufs von San Bernadino sagte Pinchai zu den Ambitionen des FBI: „Es wäre ein beunruhigender Präzedenzfall.“ Der Kampf „Freiheit vs. Sicherheit“ könnte in eine nächste Runde gehen – denn die Widersetzung Apples dürfte das FBI nur motivieren, weitere Schritte zu gehen.
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