Zum Inhalt
n-droid.de
Veröffentlicht am Android Tutorials · Features 6 Min. Lesezeit

Akku-Laufzeit mit wenigen Handgriffen verlängern

Octa-Core-Prozessoren, mehr RAM, mehr Leistung, schnelleres WLAN und LTE als Mindeststandard – Smartphones sind wahre Alleskönner. Und Stromfresser. Trotz riesiger Akkus geht der Saft schneller aus, als einem lieb ist. Die Lösung: Strom sparen. Wie? Dies wird in diesem Tutorial erläutert.

Eine Zusammenfassung der effektiven Stromspar-Tipps befindet sich am Ende des Artikels

Deshalb macht das Android-Smartphone schlapp

Nicht nur der Datenhunger der Apps, auch das Display saugen genüsslich am Akku - Zeit, den Saft abzudrehen. (Bild: N-Droid.de)

Nicht nur der Datenhunger der Apps, auch das Display saugen genüsslich am Akku – Zeit, den Saft abzudrehen. (Bild: N-Droid.de)

Wenn es nur so einfach wäre: Starke Prozessoren brauchen viel Strom. Strom, den natürlich auch die Ausführung von Apps frisst wie nix. Wirklich? Weit gefehlt. Die Ausführung einer App kostet richtigerweise Rechenleistung und damit Elektrizität, die Ursachen für einen unerwartet schlapp machenden Akku sind komplexer. Android als mobiles Betriebssystem bietet Apps neben der Ausführung im Frontend ein umfangreiches Multitasking an – die kleinen Anwendungen toben sich im Hintergrund aus, greifen auf diverse Systemfunktionen zu und holen das Telefon hierzu immer wieder aus dem stromsparenden Standby-Modus.

Dann werden Daten online abgeglichen, neue Mails herunter geladen, fürs Spielchen zwischendurch noch ein wichtiges Update gezogen, und und und. Es ist also nicht einer App geschuldet, dass der Akku schnell in die Knie geht. Sondern der ganzen Flut an kleineren „Weckrufen“.

Google hat in der Vergangenheit viel dafür getan, aktive Apps in ihrem Hunger nach Strom in die Schranken zu weisen. Die Anwendungen können jederzeit über einen Taskmanager gestoppt – oder drastischerweise deinstalliert werden. An der Rechtevergabe ändert dies kaum etwas – Android lädt viele der kleineren Prozesse bereits im Autostart und gibt Nutzern nicht die Möglichkeit, etwas am Wakelock-Verhalten zu ändern.

Indirekt kann trotzdem etwas gegen den Stromhunger getan werden. Apps wie Twitter, der Email-Client, Facebook und diverse News-Apps können derart konfiguriert werden, dass sie ihre Daten nur bei aktiver Nutzung aktualisieren und nicht alle paar Minuten ins Netz funken. Meist wird dies unter den Menüpunkten „Synchronisierung“ oder „Benachrichtigungen“ zusammengefasst. Stromfresser Nummer eins: Der PlayStore von Google. Er sucht permanent nach Updates für die installierten Apps. Dessen Synchronisation sollte besser ausgeschaltet und Updates manuell durchgeführt werden.

Reduktion als Stromspar-Schlüssel – und unnötige Battery-Saver-Apps

Die meisten Battery-Saver-Apps taugen kaum zum Stromsparen, da Google ihnen wichtige Rechte vorenthält. (Bild: N-Droid.de)

Die meisten Battery-Saver-Apps taugen kaum zum Stromsparen, da Google ihnen wichtige Rechte vorenthält. (Bild: N-Droid.de)

Noch effektiver ist das Beseitigen von Widgets, die schlicht unnötig sind. Eine Wetter-App beispielsweise ist sinnbefreit, wenn morgens der Wetterbericht gelesen wurde und aus dem Fenster geschaut werden kann. Wetter ist immer, und ob es nun regnet oder die Sonne den Pelz brennt, ist auf einen Blick erkennbar. Und wenn es doch mal von Interesse ist, wie die kommenden Tage werden, kann auch die Google-Suche bemüht werden. Überflüssige Kalender-Apps können ebenso am Akku saugen, sollten also auf eine App reduziert werden – und die Deaktivierung unliebsamer persönlicher Assistenten wie Google Now wirkt ebenfalls Wunder.

Ein Tipp, falls unterwegs: LTE sollte aktiviert werden. Das klingt zunächst kontraproduktiv, wirkt sich jedoch positiv auf die Akkuleistung aus. Daten werden schneller geladen, das Telefon kann demnach auch schneller wieder in den Standby versetzt werden. Die langsameren Netztypen (vorrangig 2G und 3G) ziehen genauso viel Strom wie LTE, brauchen aber länger, um die gleiche Menge an Daten zu synchronisieren. Für WLAN-Netze daheim gilt das Gegenteil: Hier sollte auf das 2,4-GHz-Band statt die 5-GHz-Frequenz gesetzt werden. Letztere ist in der Theorie bedeutend schneller, verbraucht dabei gut das doppelte an Strom, da beide Antennen aktiviert werden. Für die Laufzeit ist dies kontraproduktiv.

Selbiges gilt für ständig aktivierte Funk- und Ortungsmodule: NFC, Bluetooth oder GPS sind bei vielen Android-Smartphones standardmäßig installiert – ein wirklicher Nutzen wird nicht daraus gezogen. Und sollte von einer dieser Funktionen Gebrauch gemacht werden, kann sie jederzeit mit wenigen Tipps auf den Bildschirmen aktiviert werden.

Apps, die versprechen, den Stromverbrauch zu senken, sollten gemieden werden. Oftmals sind die zumeist kostenpflichtigen Apps zu kaum mehr in der Lage, als mit den oben genannten Kniffen selbst erreicht werden kann. Eine Alternative mit passablen Ergebnissen wird in den kommenden Tagen vorgestellt.

Sony und Samsung als Stromspar-Vorreiter

Samsungs Produktpalette verfügt über einige Software-Routinen, die Strom sparen. (Bild: Samsung)

Samsungs Produktpalette verfügt über einige Software-Routinen, die Strom sparen. (Bild: Samsung)

Für einige Hersteller ist der Stromhunger indes sogar ein Verkausargument. Nämlich dann, wenn sie Mittel gegen den hohen Verbrauch in ihre Modelle beipacken. Samsung und Sony sind die Vorreiter – und insbesondere Sony konnte in der Vergangenheit überzeugen.

Der Stamina-Modus reduziert die Rechenleistung der Xperia-Prozessoren merklich, ruft die volle Leistung nur bei rechenlastigen Apps wie 3D-Spielen ab.

Apps werden zudem in festen Intervallen synchronisiert, die Bildschirmhelligkeit und -schnelligkeit heruntergefahren. Ein ganzes Set an kleineren Stromspar-Möglichkeiten also, die zusammen unheimlich effektiv sind.

„Doze“ als Allheilmittel?

Im Doze-Modus verbrauchen die Android-Geräte weniger Strom, da sie kau "geweckt" werden. (Bild: Google)

Im Doze-Modus verbrauchen die Android-Geräte weniger Strom, da sie kau „geweckt“ werden. (Bild: Google)

Mittlerweile nimmt Google das Problem des an den Reserven zehrenden Stromverbrauchs besonders ernst. Mit Doze brachte der Android-Konzern für Version 6.0 des mobilen Betriebssystems ein wirksames Software-Tool. Es analysiert die Lage des Android-Gerätes – synchronisiert werden die Daten der meisten Apps nur, wenn das Gerät bewegt wird. Andernfalls unterbindet Android Marshmallow die Kommunikation der meisten unnötigen Apps und Hintergrundprozesse. Auswirkungen auf wichtige Anwendungen wie Email-Clients oder Messenger hat das nicht, spart aber tatsächlich Strom.

Trotzdem ist Doze nur ein Anfang. Was Google fehlt, ist ein Stock Android, das allen Herstellern effektive Strompar-Möglichkeiten an die Hand gibt. Die boomenden China-Phones etwa sind mit ihrem Stock-Android kaum angepasst, verbraten deshalb unnötig Energie. Google gelobt weiter Verbesserung, muss aber auch ranklotzen.

Fazit

Strom sparen beim Smartphone? Ist möglich – in Grenzen. Einerseits bemüht sich Google, mit jeder neuen Android-Version neue Stromspar-Modi zu integrieren und energiehungrige Hintergrundprozesse und Apps auszubremsen. Andererseits handelt Google nach dem Motto: Alles oder nichts. Es erlaubt weder Nutzern noch Apps, wirklich tief ins System vorzudringen, um selbst Hand anzulegen und den Energiebedarf herunterzufahren. Deshalb helfen nur kleinere und etwas größere Tricks, um die Akkulaufzeit zu verlängern. Mit dem Sony Xperia Z3 konnte die Laufzeit von einem auf drei Tage erhöht werden – und das „nur“ über das Löschen unnötiger Apps, Widgets, Abschalten verschiedener Funkverbindungen und der GPS-Ortung und das Festlegen von Schlummerpausen. In der Nutzung schränkte dies nicht ein, gab aber das gute Gefühl, in dringenden Notfällen noch ausreichende Akku-Reserven zu haben.

Tipps nochmals kurz zusammengefasst

  1. Überflüssige und mehrfach installierte App-Typen sollten gelöscht werden: Eine Mail-App reicht, ebenso bietet der vorinstallierte Google-Kalender alle Optionen für die tägliche Ablaufplanung
  2. Die Synchronisation von Facebook, Twitter, WhatsApp und Co. sollte deaktiviert oder getaktet werden, damit sie nur in festen Intervallen oder bei aktiver Nutzung ihre
  3. Die meisten Widgets sollten deinstalliert/deaktiviert werden – diese Hintergrundprozesse ziehen Akkuleistung, ihr Mehrwert tendiert jedoch gegen Null
  4. Unterwegs sollte LTE aktiviert werden. Dies benötigt die gleiche Menge Strom wie 2G- und 3G-Netze, zieht Daten jedoch schneller aufs Smartphone. Der Vorteil: Das Handy verfrachtet sich schneller in den Standby
  5. Die GPS-Ortung, Bluetooth, NFC und Co. sollten ausgeschaltet und nur bei Bedarf angeschaltet werden
  6. Die Displayhelligkeit sollte auf ein erträgliches Minimum gesetzt werden – je weniger grell der Bildschirm strahlt, desto weniger Strom zieht er. Es sollte darauf geachtet werden, die automatische Helligkeitsanpassung nicht zu deaktivieren, da diese zu einem allzu hohen Stromverbrauch führen kann
  7. Feste Zeiträume sollten festgelegt werden, in denen sich das Smartphone in den Schlummermodus versetzt – etwa zur Nachtruhe oder Alltagspausen, was auch hilft, nerviges Gepiepse und Vibrieren bei der Arbeit zu unterbinden
  8. Sollte das Smartphone Android 6.0 aufgespielt haben, sollte der Doze-Modus aktiviert werden – dann werden Daten nur synchronisiert, wenn das Smartphone bewegt wird; wichtige Apps stellen trotzdem ihre Nachrichten zu