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Veröffentlicht am Android-Themen 5 Min. Lesezeit

Android Gaming-Geräte: Warum spielt noch kein großer Hersteller mit?

Android schickt sich 2013 an, die Wohnzimmer der Welt zu erobern. Gaming heißt die Devise, mit der versucht wird, die klassischen Konsolen zu vertreiben. Es gibt jedoch ein großes Problem: Die Spiele. Kann dies die Multifunktionalität von Android wett machen oder werden Android-Konsolen ein Nischendasein fristen?

Ob Tablet mit Controller-Elementen oder kleine Konsole, die direkt an den Fernseher angestöpselt wird, wer die Wahl hat, hat die Qual. Soll es eine kleine Konsole für den Fernseher werden, oder doch ein Gaming-Tablet? Beide Bereiche haben mittlerweile ein paar Vorzeigegeräte, die einen günstig, die anderen etwas teurer, in der Regel aber immer unter dem Verkaufspreis aktueller dedizierter Konsolen.

Folgende Möglichkeiten haben geneigte Gamer in Bälde, sich ein Android-Gaming-Device ins Haus zu holen:

1. Ouya

OUYA machte schon mehrmals Schlagzeilen. Es ist die erste Konsole, die die Aufmerksamkeit der Massen auf sich zog, dem erfolgreichen Kickstarter-Projekt sei Dank. Relativ aktuelle Hardware, eine angepasste Oberfläche und die zugesicherte Unterstützung von Spieleentwicklern sorgen für den mutmaßlich großen Erfolg des Projekts. Privatpersonen müssen nicht mehr lange warten, bis sie den kleinen Android-Würfel nutzen können, erste fertige Konsolen sind bereits an Entwickler verschickt worden.

2. Archos GamePad

Archos geht den Weg des Tablets und bietet mit dem GamePad ein Tablet mit Steuerelementen an. Grundsätzlich sind alle Spiele mit den Steuerelementen spielbar, die Hardware-Buttons werden nämlich per Software gemappt. Für jedes Spiel extra, nicht unaufwändig, aber effektiv. Mit 149,- Euro zählt das GamePad zu den günstigen Android-Tablets, auf namhafte Prozessoren oder Grafikeinheiten muss aber verzichtet werden.

3. Nvidia Shield

NVIDIA selbst sagt: Shield ist keine Spielekonsole, es ist ein Gaming-Device. Der Unterschied? Gute Frage. NVIDIA Shield wird PC-Spiele streamen können, Android-Games zocken und ist auch so als offene Plattform zu sehen. Tegra 4, genügend Arbeitsspeicher und ein Gamepad, das stark an eine Mischung der klassischen Konsolenkonkurrenz erinnert, das ist NVIDIA Shield. Der Preis ist noch nicht bekannt, er wird aber nicht sehr niedrig sein, das hat NVIDIA bereits verkündet.

4. Moga Pro

Der MOGA Pro Controller ist keine eigenständige Konsole, er ist ein Controller, der mit allen Android-Smartphones gekoppelt werden kann. Ist das Smartphone klein genug, kann man es in eine dafür vorgesehene Halterung verfrachten. Die Verbindung zwischen Controller und Android-Device erfolgt über Bluetooth. Für Gelgenheitsspieler sicher eine angenehme Lösung, die zudem günstiger sein dürfte, als Geräte, die ein Display mitbringen. Der Vorgänger des MOGA Pro schlägt mit 50,- Dollar zu Buche.

5. Gamestick

Gamestick ist ein weiteres Kickstarter Projekt, das sein Ziel innerhalb von zwei Tagen erreicht hat. Der Controller beherbergt einen kleinen Stick, der an die HDMI-Buchse des Fernsehers angeschlossen wird. Keine Kabel, keine externe Stromversorgung, alles hochtransportabel. Mit unter 100,- Dollar zudem noch günstiger als OUYA und mit Sicherheit ein Projekt, auf das man 2013 noch einige Male blicken wird.

6. Unu

Unu ist das Entertainment Komplettpaket aus deutschen Landen. Das System, das aus mehreren Geräten besteht, könnte sich zur Unterhaltungszentrale im Wohnzimmer mausern. Zentraler Mittelpunkt ist ein Tablet, das mittels Dockingstation, Controllern und AirMouse bedient wird. So ist es mehr als nur eine Spielekonsole, und macht zum Beispiel aus dem Fernseher gleichzeitig einen Smart TV. Surfen, Mailen und Spielen, dazu noch ein Mediencenter und fertig ist die Stereo-Anlage des 21. Jahrhunderts. Preis? Unbekannt.

Das sind sechs auf Gaming ausgerichtete Geräte, die allesamt 2013 verfügbar sein werden. Doch ist Android bereits bereit für einen Konsolenmarkt? Nein. Der Knackpunkt bei jeder Konsole sind die Spiele. Android ist ein touchbasiertes System, für Smartphones und Tablets. Spieleentwickler versuchten in den letzten Jahren, die Spielsteuerungen auf Touch auszulegen. Oftmals ist dies gelungen, viele wünschen sich trotzdem eine genauere Steuerung, so wie man es eben von einem Gamnepad an der Konsole gewohnt ist.

Auffällig ist zudem, dass die großen Hersteller noch kein Interesse an Konsolen auf Basis von Android zeigen. Sony ging einen ersten Schritt mit der Veröffentlichung des Xperia Play und hat damit dem gesamtmarkt eher geschadet als vorangetrieben. Die Idee des Xperia Play war großartig, die Umsetzung jedoch miserabel. Wenn die großen Unternehmen keinen Markt für etwas sehen, halten sie die Füße still. Entweder täuschen sich die Big Player allesamt, oder der Markt ist einfach noch nicht reif für Konsolen dieser Art.

Die Spieleentwickler haben dieses Mal die geringsten Sorgen. Dank Spec-Rennen liefern Smartphone-Displays die gleiche Auflösung wie ein HD-Fernseher, grafisch muss also schon einmal nichts angepasst werden. Anpassungen bedarf es jedoch bei der Anzeige der On-Screen-Buttons und eventuell bei der Steuerung eines Spiels an sich. Wischgesten eignen sich wenig, um auf einem Controller angewandt zu werden (OUYA macht hier eine Ausnahme, bietet der OUYA Controller doch einen Touch-Bereich). Sicher kann dies auch wieder durch Mapping erreicht werden, komfortabel ist das für den Spieler aber nicht.

Die Masse macht den Unterschied. Hardware kann nur gewinnbringend verkauft werden, wenn der Massenmarkt sie kennt. Alle vorgestellten Konsolen und Tablets sind Nischenprodukte. Während es die Tablets von Archos vielleicht in die Media Markt Filialen schaffen, wird noch eine lange Zeit vergehen, bis man auch OUYA & Co. in diesen Läden sieht. Viele Leute wissen überhaupt nicht, was mit Android möglich ist. Sie würden einfach nicht vermuten, dass das gleiche System, das ihre Whatsapp-Nachrichten verschickt, auch ein wunderbares Mediencenter für das Wohnzimmer ist.

Das wird noch so lange der Fall sein, bis der erste große Hersteller auf Android setzt und eine massenmarkttaugliche Konsole anbietet. Diese wird aber kaum zum Preis einer OUYA oder eine Gamestick erhältlich sein. Einzehandelsaufschlag, Marketing, das alles will bezahlt werden, schließlich verdient der Hersteller lediglich an der Konsole, nicht an den Inhalten, die der Nutzer nach dem Kauf auf das Gerät lädt.

Fehlende Blockbuster-Spiele sind ebenfalls ein Grund, der gegen die Android-Konsolen spricht. Es ist auch heute noch so, dass die „großen“ Titel im mobilen Bereich zuerst für iOS entwickelt werden. Eine Entwicklung für Android steht auf der Prioritätenliste weiter hinten. Das wird sich in nächster Zeit sicher ein Stück in die richtige Richtung verschieben, Google hat mit Android schließlich längst den Massenmarkt erobert, dennoch scheint iOS für Entwickler das lukrativere System zu sein.

2013 wird das Jahr der Android-Konsolen? Nein, oder zumindest nur bedingt. Early Adopter werden sofort zugreifen, das zeigen die erfolgreichen Kickstarter-Projekte. Das Potential für die Konsolen ist da, bis sie jedoch zu einer ernsten Gefahr für XBOX und Konsorten werden, muss noch einiges passieren. Im Moment und in naher Zukunft ist Android-Gaming leider nur eine Spielerei, wenn auch eine schöne.

Habt Ihr einen Favoriten unter den vorgestellten Gaming-Geräten? Konsole oder Tablet, was könnte bei Euch zu Hause den Platz der Spielekonsole einnehmen?