Sicher hat der eine oder andere schon einmal den Begriff Root gehört, aber die wenigsten wissen vermutlich was das bedeutet. Dieser Artikel beleuchtet kurz die Vor- und Nachteile eines gerooteten Handys.
Was ist Root?
In einfachen Worten: Mit Root erlangt man Administratorrechte, in der Android-Welt nennt man sie auch Superuser-Rechte. Was bedeutet das? Normalerweise ist das System vor dem Nutzer und installierten Apps geschützt; man kann also keine systemrelevanten Dateien verändern. Durch das Rooten des Systems wird eine Funktion hinzugefügt, die es ermöglicht, so genannte Superuser-Rechte zu erlangen, die dann den Zugriff auf (fast) alle Systemdateien erlaubt.
Wie rootet man?
Die Methode zum Rooten eines Geräts sieht für jedes Smartphone-Modell anders aus. Daher hier einige Tipps, die weiter helfen:
- In entsprechenden Foren wie android-hilfe.de oder xda-developers.com nach der richtigen Root-Methode für sein Modell suchen und den Anleitungen folgen.
- Ist ein Gerät gerootet, befindet sich eine neue App im App-Drawer, die Superuser oder SuperSU heißt. Diese kontrolliert den Root-Zugriff anderer Apps.
- Will eine App Superuser-Rechte nutzen, muss sie sich das erst vom Benutzer bestätigen lassen. Dafür poppt eine Anfrage der Superuser-App auf, in der man die Anfrage akzeptieren, ablehnen und das ganze permanent machen kann.
Aber Vorsicht: Hier handelt jeder auf eigene Gefahr und haftet für Schäden selbst.
Welche Vorteile bringt Root?
Es gibt mehrere Gründe die dafür sprechen, die volle Kontrolle über sein Telefon zu erlangen.
1. Mehr Sicherheit und Datenschutz mit Root
- Mit Root ist es möglich, eine Firewall wie DroidWall zu installieren, die es ausgewählten Apps verbieten kann sich ins Internet einwählen.
- Einige Funktionen von Sicherheits-Suiten wie Avast! benötigen Root-Rechte; so zum Beispiel die Aktivierung von GPS um das Telefon wiederfinden zu können.
- Profi-Tipp: PDroid bietet die Möglichkeit, Berechtigungen von Apps stark einzuschränken, auch wenn diese zuvor beim Installationsprozess abgesegnet wurden. Hier ein eigener Artikel zum Thema bei N-Droid.de.
2. Anpassung des Systems und Backup
- Durch Apps wie AdAway kann man den Großteil der Werbeeinblendungen in Apps verhindern. Dafür lädt die App eine Liste mit Werbeanbietern herunter, die dann so umgeleitet und geblockt werden, dass die Werbung nicht mehr angezeigt wird.
- Es lassen sich unnötige vorinstallierte Apps entfernen um Ordnung und Platz zu schaffen.
- Möchte man auf Googles Backupservice verzichten, kann man nur mit Root-Rechten ein echtes Backup erstellen. Das bekannteste Tool ist hier Titanium Backup, dass alles Apps und deren Daten sichert und wenn nötig auf ein neu aufgespieltes System zurück spielen kann. Oder alternativ ein Vollbackup mit dem ROM Manager.
- Mittels Root kann man das Aussehen des Systems nach Wunsch verändern. Zum Beispiel könnte man mit Font Installer die Systemschriftart auf die aktuellere Schrift von Jelly Bean ändern.
- Zusätzlich gibt es noch viele weitere Funktionen wie das mounten von verschlüsselten Containern zum Beispiel mittels Cryptonite, der Zugriff über Wlan per Samba, Systemoptimierung oder das Aufspielen von anderen oder aktuelleren Betriebssystemen. Die Liste der Möglichkeiten ist lang.
Welche Risiken birgt das Rooten?
Rooten hat nicht nur Vorteile sondern es gibt auch gravierende Nachteile, die zum Großteil in der Hand des Benutzers liegen.
- Jede App mit Root-Berechtigung kann alle Sicherheitsmechanismen die Android mitbringt, nämlich die Berechtigungen, umgehen. So können sich Trojaner, Malware und Viren in einer App befinden, die Zugang zu allen Daten auf dem Smartphone haben.
- Mittels eines Explorers mit Root-Berechtigung wie Root Explorer ist der Benutzer in der Lage, systemrelevante Dateien zu verändern oder zu löschen. Dadurch kann das System beschädigt werden.
- Auf gerooteten Systemen kann der CPU-Takt mit Apps wie No-Frills CPU control verändert werden (Overclocking) wodurch es zu Hardware-Defekten kommen kann.
- Unter Umständen lässt sich auch der Kernel, das Herz des Betriebssystems, ersetzen, was zu weitergehenden Problemen und auch Hardware-Defekten führen kann.
- Als letztes vielleicht die Information, dass man durch Rooten unter Umständen seine Garantie verliert!
Um diese Risiken zu minimieren, hier ein paar Tipps:
- Root sollte nur für Benutzer aktiviert werden, die es auch nutzen und wissen, worauf zu achten ist. Normale Nutzer wird die Vorteile niemals wirklich ausnutzen können.
- Es sollten nur Apps Root-Rechte bekommen, von deren Integrität man absolut überzeugt ist und die weitläufig bekannt sind. Hier sind Open Source Apps vorzuziehen, da sich jeder von der Sicherheit der App durch Überprüfen des Quellcodes überzeugen kann.
- Bei tiefergehenden Maßnahmen wie Overclocking oder Kernel-Tausch sollte man sich zuvor gründlich informieren und nicht in der ersten Reihe für Tests stehen um Probleme zu vermeiden.
- Man sollte sich auch informieren, wie man das Rooten wieder rückgängig macht, falls man auf seine Garantie zurückgreifen muss.
Die Kontrolle über das gesamte System zu haben, ist eine großartige Sache, aber bestimmt nicht für jedermann interessant. Wenn man etwas gesunden Menschenverstand walten lässt und sich für Optimierung, Technik und Sicherheit interessiert, für den ist das Rooten seines Smartphones sehr empfehlenswert und nur mit wenigen Risiken verbunden. Viel Spaß beim Recherchieren!
Disclaimer: Auch wenn gründlich recherchiert wurde, kann keine Garantie für Fehlerfreiheit übernommen werden. Korrekturen und Tipps in den Kommentaren sind stets willkommen. Der Artikel soll den Lesern gefallen.
Quellen und Apps:
- Superuser: Die App, die Root-Rechte verwaltet.
- SuperSU: Die App, die Root-Rechte verwaltet.
- Avast!: Eine Security-Suite, die für einige Funktionen ebenfalls Root benötigt.
- DroidWall: Eine Firewall die mit sogenannten IPTables arbeitet. Man kann in der App auswählen, welche Apps Zugriff auf das Internet haben.
- PDroid: Eine App, die nicht leicht zu installieren ist, aber die Berechtigungen von einzelnen Apps einschränken kann.
- PDroid 2.0: Der gleiche Ansatz wie PDroid, aber mehr Möglichkeiten und nur ab Android 4.0 einsetzbar.
- AdAway: Open Source Werbeblocker
- Titanium Backup: Das bekannteste Backuptool für Apps und deren Daten, sowie Systemdaten wie Wlan-Passwörter, SMS, Kontakte und Telefon-Historie.
- ROM Manager: Der ROM Manager ist auch bekannt als Clockworkmod Recovery. Damit lässt sich eine Kopie des gesamten Systems auf der SD Karte abspeichern, dass sich beliebig zurückspielen lässt.
- Font Installer: Ändert die Systemschrift nach Wunsch.
- Cryptonite: Eine App, die EncFS und TrueCrypt-Container als Ordner mounten kann.
- Root Explorer: Ein Explorer mit dem man Systemdateien lesen und umschreiben kann.
- http://www.android-hilfe.de/: Ein deutsches Forum in dem man nach Rooting-Methoden recherchieren kann.
- http://forum.xda-developers.com/: Ein englischsprachiges Forum, dass den gleichen Zweck erfüllt.
- Root Infos bei howtogeek.com: Nachteile von Root (englisch)