VR-Brillen: Drei Modelle unter 20 Euro im Test

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Der Hype um VR-Brillen ist ungebrochen, auch weil das Versprechen großartig ist: In fremde Welten eintauchen, Spiele hautnah erleben, sich in feinstem 3D weiterbilden oder einfach Filme genießen. Smartphones liefern die Hardwareleistung, Android den Rest – nur die passende Brille fehlt. In diesem Special wollen wir euch drei VR-Brillen für Android präsentieren, von denen keine mehr als 20 Euro kostet. Guter Einstieg oder Schrott? Wir klären auf.

So testen wir: Für dieses Special haben wir drei Brillen beim Elektronikfachhändler Conrad gekauft: Eine Ednet-Brille, ein Headset von VR Box inkl. Bluetooth-Controller und die Einsteigerbrille der Marke Renkforce. Getestet wurden die Modelle mit zwei Smartphones, dem Blubooy Maya Max (Test hier) und dem neuen Sony Xperia XZ. Keine der genannten Brillen erfüllt alle Standards der Cardboard-Referenzen – ein Magnet zur Bedienung via NFC fehlt, weshalb ihr auf einen Controller zurückgreifen müsst, um euch durch die Anwendungen zu navigieren.

Getestet wurden die Brillen mit Google Cardboard-App, dem ARTE 360°-Video-Kanal (Download), der YouTube-App (Download), der Edutainment-Anwendung Space World VR (im Google Play Store) und der Bezahlversion von Silent Home VR (ebenfalls im Play Store). Unsere Erfahrungen beruhen auf der Nutzung der aufgezählten Apps.

Die drei Modelle im Ersteindruck

Mit einer Preisspanne von circa zehn bis 20 Euro sind die drei getesteten Brillen für Einsteiger eine Überlegung wert. Die Ednet-Brille ist mit 10,99 € (u.a. hier auf conrad.de erhältlich) das günstigste Modell, für achtzehn Euro erhaltet ihr die fast identische Tera VR Box Gen 2 inkl eines Bluetooth-Controller (hier erhältlich), noch einmal zwei Euro oben drauf gepackt geht die Renkforce 3D Virtual Reality Brille (auf conrad.de zu haben) in euren Besitz über.

Ob ihr nun Ednets Brille kauft oder das Renkforce-Headset: Der Ersteindruck ist durchweg gut. Herausstechend ist die schnieke Renkforce-Brille, in mattem Schwarz mit silbernen Applikationen. Das edle Design wird vollendet durch die Kunstleder-Polsterung fürs Gesicht und den stabilen Halteriemen, der mittels Klettverschluss an den Kopf angepasst wird.

Die Ednet-Brille und VR Box wirken auf den ersten Blick wie Zwillinge – welches der beiden Exemplare nun das dreiste Plagiat ist oder ob lediglich der selbe Produzent für zwei Unternehmen die Headsets fertig, können wir nicht sagen. Das Duo wirkt durch das weiße Plastik freundlicher, auffällig sind die separat zu steuernden Justierhilfen und die wattierte Polsterung mit Textilbespannung.

Hier wie dort ist die Verarbeitungsqualität hervorragend. Keine Grate, die Spaltmaße zwischen den einzelnen Teilen gering, wirken sie trotz des niedrigen Preises wertig. Zeit, ins Detail zu gehen…

Renkforce 3D Virtual Reality Brille

Anbieter: Renkforce (Conrad-Hausmarke)
Preis zum Zeitpunkt des Tests: 19,99 € (UVP)
Lieferumfang: Brille, Kurzanleitung, Mikrofasertuch
Gewicht: 378 Gramm
Maximale Smartphonemaße: 81 x 154 x 100 mm (geeignet für 6″-Smartphones)
Für Brillenträger geeignet: nein
Cardboard-kompatibel: nein, NFC-Magnet fehlt
Besonderheiten: Smartphonehalterung wird geklappt und über Magneten festgehalten; abnehmbare Blende

Den Anfang macht die Renkforce 3D Virtual Reality Brille. Conrads Hausmarke ruft für das Einsteigermodell 19,99 € ab – ein guter Preis, wenngleich der Lieferumfang größer hätte ausfallen können. Mit Brille, mehrsprachiger Kurzanleitung und einem kleinen Mikrofasertuch zum Reinigen der Linsen sind die Beigaben überschaubar. Die größte Besonderheit des Headsets besteht in der Art, wie das Smartphone in die Halterung gelegt wird. Die Smartphone-Bucht wird heruntergeklappt, das Smart-Device zwischen zwei Schienen eingespannt und wieder zurückgeklappt.

Der Lieferumfang der Renkforce-Brille. Wenig bleibt wenig. (Foto: N-Droid.de)

Der Lieferumfang der Renkforce-Brille. Wenig bleibt wenig. (Foto: N-Droid.de)

Dank starker Magneten bleibt die Luke geschlossen, selbst bei heftigen Kopfbewegungen oder Stößen. Schade nur: Das Bluboo Maya Max passte trotz der Einhaltung der Maximalmaße fürs Smartphone nicht so recht in die Halterung. Mit Ach und Krache wurde es befestigt, rutsche dann jedoch wieder heraus – nicht optimal. Das etwas kleinere Sony Xperia XZ ließ sich hingegen ohne Probleme in die Renkforce-Brille einlegen.

Einrichtung & Tragekomfort

Für Brillenträger ist die Renkforce 3D Virtual Reality Brille nur bedingt zu empfehlen. Ein äußerst schmales Gestell vorausgesetzt, könnt ihr euch ins Headset einklemmen, bequem ist jedoch anders. Vielleicht brauchen leicht kurzsichtige Personen aber auch gar keine Sehhilfe, denn mittels Stellrad lassen sich beide Linsen gemeinsam vor- und zurückschieben und mittels eines weiteren Rades der Augenabstand justieren. VR-Inhalte können so schnell scharf gestellt werden. Kabelkopfhörer werden schlicht durch die Seite gefädelt, wobei es egal ist, wie herum das Smartphone eingeschoben ist.

Zwei Stellschrauben justieren die Linsen - welche aber gern verrutschen. (Foto: N-Droid.de)

Zwei Stellschrauben justieren die Linsen – welche aber gern verrutschen. (Foto: N-Droid.de)

Der Tragekomfort ist unterm Strich okay – doch trotz der Tatsache, dass die Gurte per Klettverschluss gelockert/gestrafft werden können, saß die Renkforce 3D Virtual Reality Brille etwas zu fest auf dem Gesicht und drückte dort aufs Nasenbein. Schon nach gut 15 Minuten hinterließ die Brille Abdrücke auf der Haut, längere VR-Sitzungen sieht man euch also sprichwörtlich an.

Das Leergewicht (378 Gramm) ist grenzwertig, mit einem Smartphone zusammen erhöht sich die Last schnell auf 600 Gramm oder mehr, die je nach Gurteinstellungen drücken oder ziehen. Ein optimales Gleichgewicht herzustellen gelang uns nicht.

VR-Erlebnis

QR-Code für die Renkforce-Brille. (Bild: Shinecon)

QR-Code für die Renkforce-Brille. (Bild: Shinecon)

Mit Google Cardboard ist die Renkforce-Brille nicht kompatibel. Nur am fehlenden NFC-Magneten liegt dies nicht. Vielmehr fehlen Renkforce und Conrad der QR-Code, um die Brille via Cardboard-App (fungiert als Unterbau/Software-Schnittstelle) automatisch zu kalibrieren. Wir schaffen da gerne Abhilfe: Die baugleiche Shinecon VR liefert den passenden QR-Code mit, den ihr links in diesem Absatz findet und bequem einscannen könnt.

Die Bedienung ist trotz des fehlenden Magneten und der Abwesenheit „echter“ Cardboard-Kompatibilität gut. Schließlich lässt sich das Smartphone binnen Sekunden runterklappen, eine Eingabe tätigen und wieder in Position bringen. Viel wichtiger für die VR-Immersion ist, dass die Brille fast ganz abschließt, nur an zwei Punkten zwischen Polsterung und Brille dringt ein wenig Licht hindurch. Für längere Sitzungen war die Renkforce 3D Virtual Brille dennoch nichts. Schnell schwitzt man „dank“ der Kunstleder-Polsterung, die Schweiß überhaupt nicht ableitet, Kopfbewegungen nach oben oder unten verschoben den etwas zu locker sitzenden Smartphoneschlitten, so dass ständig nachjustiert werden musste. Das nervt.

Fazit: Gute Verarbeitung, viele kleine Ärgernisse

Die Renkforce 3D Virtual Reality Brille macht einen exzellenten Ersteindruck. Hochwertige Verarbeitung trifft auf edles Design, das ist positiv. Der Haltemechanismus ist durchdacht und erleichtert die Bedienung von VR-Apps, wenn diese nicht mit Controller zu bedienen sind – dass ihr euch ganz der VR-Inhalte hingeben könnt, liegt zudem an dem fast durchweg lichtundurchlässigen Brillendesign.

Dem gegenüber stehen der miese Tragekomfort – der viele Brillenträger ausschließt – und das insgesamt etwas zu hohe Gewicht, das mittels zu straffer Gurte schnell aufs Gesicht drückt. Dass Conrad und Renkforce den QR-Code zur Einrichtung der Brille in Cardboard vergessen haben, ist leider nicht zu verzeihen – da ist der maue Lieferumfang fast schon vergessen.

Für kurze Sitzungen zu gebrauchen, taugt die Renkforce 3D Virtual Reality Brille leider nicht für längere Sitzungen.

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