Pavlok im Test: Das Wearable mit eingebauter Elektroschock-Therapie

Mit diesem smarten Armband soll man sich schlechte Eigenschaften wie das Rauchen abgewöhnen können. Und das auf die harte Tour: Pavlok bestraft euch mit Stromstößen! Wir haben das „Folter-Wearable“ getestet.

Fit durch Bestrafung

Pavlok (Bild: Behavorial Technology Group Inc.)Smartwatches und Fitness-Armbänder sind gerade „in“. Damit kann man unter anderem erfassen, wie weit man gejoggt ist, wie es um den eigenen Schlafrhythmus steht oder wie viel Kalorien man über den Tag verbraucht hat. Die tragbaren Gadgets erleben einen Boom, weil man damit (angeblich) sein Leben verbessern kann: Wer weiß, wie unfit er ist, wird durch bestimmte Belohnungssysteme dazu ermuntert, mehr für seinen Körper zu tun.

Einen anspornen, das soll auch Pavlok. Doch nicht durch Motivation, sondern durch Bestrafung. Richtig: Dieses Wearable belohnt einen nicht, wenn man etwas getan hat, sondern bestraft einen, wenn man es nicht getan hat. Das klingt kurios. So kurios, dass wir es gleich testen mussten.

1 … 2 … aua!

Bevor man Pavlok testen kann, muss es natürlich in Betrieb genommen werden. Das heißt: Erst einmal aufladen, damit der Elektroschocker genügend Saft hat. Hierfür nimmt man die kleine Metalleinheit aus dem Gummiband heraus und lädt sich mittels microUSB-Anschluss am PC.

Ist der Akku voll, geht’s auch schon los. Armband anziehen und auf den Knopf drücken – Zapp, schon kriegt man den ersten Stromstoß verpasst. Und was für einen! Der Elektroschock ist so stark, dass man zwangsläufig den Arm in die Luft schleudert und laut aufschreit. Ja, das tut echt weh!

Kein Wunder: Bis zu 450 Volt gibt das Wearable bei jedem Stoß ab. Autsch. Sadomaso-Freunde mögen das klasse finden, der 08/15-User fragt sich unweigerlich: WTF?! Wie kann man nur so dumm sein, sich selbst so zu malträtieren?

Mit Stromschlägen aus dem Tiefschlaf

Pavlok (Bild: Behavorial Technology Group Inc.)Was man sich ebenso fragt: Ist das alles? Nein, natürlich nicht. Im nächsten Testlauf luden wir die zwei kostenlosen Pavlok-Apps herunter. Mit der ersten App verbindet man sein Smartphone mittels Bluetooth SE mit dem „Folter-Wearable“. Damit lässt sich zum Glück die Stromstärke verringern. Doch wer dann ein leichtes Kribbeln erwartet, liegt falsch: Selbst auf der niedrigsten Stufe fetzt das Ding noch immer so, dass es schmerzt.

Neben ein paar Einstellungsmöglichkeiten bietet die Haupt-App nicht viel mehr. Es gibt lediglich ein paar Ratgeber, wie man mit Pavlok über mehrere Tage hinweg schlechte Eigenarten wie Rauchen oder Süßigkeiten-Naschen abtrainieren kann. Mehr Inhalte hat die Android-Anwendung (die es auch für iOS gibt) leider nicht im Angebot.

Die zweite App nennt sich „Alarm Clock“ und ist – wer hätte es gedacht? – ein Wecker. Bei dem stellt man ein, wann und wie man geweckt werden will. Hierbei gibt es verschiedene Auswahlmöglichkeiten: Entweder lässt man sich mit einem Stromschlag aus dem Tiefschlaf reißen, oder man verwendet eine etwas sanftere Methode. Pavlok hat nämlich noch ein Vibrieren und einen schrillen Piepston in petto. Man kann auch Mischung aus den Möglichkeiten wählen, zum Beispiel Elektroschock mit Piepston – wie fies!

Das war’s, mehr hat Pavlok nicht auf dem Kasten. Der Hersteller arbeitet aber an weiteren Apps, zudem gäbe es eine Schnittstelle für Drittentwickler. Wir sind mal sehr gespannt, welche Konzepte hierfür noch umgesetzt werden. Vielleicht kommt ja einen „Flappy Bird“-Ableger, der einem bei jeder Kollision den Arm brutzelt? Wer weiß…

Fazit

Pavlok ist aktuell nur über die offizielle Webseite in fünf verschiedenen Farben zu einem Preis von 199 Dollar verfügbar. Wer unzufrieden ist, kann das Wearable innerhalb von 30 Tagen umtauschen. Uns würde es nicht wundern, wenn das ziemlich häufig geschieht.

Zum einen enttäuscht das seltsame Armband, weil es kaum Funktionen bietet. Eigentlich kann das Ding nur piepsen, brummen und einem die Stromstöße verpassen. Und das nicht mal automatisch oder nach einer gewissen Logik. Wer sich für ein schlechtes Verhalten bestrafen will, der muss eigenhändig den Elektroschock auslösen. Macht man das wirklich?

Zumal – da kommen wir zu einem weiteren, essentiellen Kritikpunkt – die Stromstöße fallen echt heftig aus. Sie sind so stark, dass man um seine Gesundheit fürchtet. Kein Wunder darf das S/M-Armband laut dem Hersteller nicht von Schwangeren, Kindern, Tieren (!) und kranken Menschen genutzt werden.

Wir sagen deswegen: So ein Flop. Finger weg!