Minecraft (Switch) im Test: Klötzchen-Spaß mit fragwürdigem Geschäftsmodell

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Bumm! Auch Nintendos Switch bekommt nun seine Minecraft-Version. Die für die Hybrid-Konsole veröffentliche Fassung ist inhaltlich fast identisch mit dem PC-Urahn, zeigt aber bereits, wohin die Reise künftig gehen sollte.

Minecraft: Nintendo Switch Edition wurde aus eigenen Redaktionsmitteln erworben – im Nintendo eShop ist der Titel für 29,99 € erhältlich. Der Download beträgt etwa 512 MB.

Minecraft ist ein weltumspannendes Phänomen, das an wohl keinem einzigen Spieler vorbeigegangen ist. Als die erste Alpha am 17. Mai 2009 veröffentlicht wurde, ahnte Erschaffer Notch Petersson wohl kaum, dass sein Spiel wenige Jahre später zu den Bestsellern der Branche gehören würde und mit Let’s Plays einen Trend lostrat, der heute nicht mehr von YouTube wegzudenken ist.

Ein vollwertiges Spiel für unterwegs

Die Switch-Fassung ist anders als die abgespeckte Pocket Edition für Smart-Devices und PlayStation Vita spielerisch gleichwertig mit den Fassungen auf PC und Konsole – da die Nintendo Switch überall mit hingenommen werden kann, ist dies durchaus ein Novum. Im Survival-Modus startet ihr wie gewohnt mitten in der Botanik und müsst euch mühselig Werkzeuge, Ressourcen und Nahrung zusammenrotten.

Die erste Hütte: Zweckmäßig, aber zum Übernachten reicht es aus. (Bild: N-Droid.de)

Im Fokus steht das clevere wie umfangreiche Crafting: Aus gefällten Bäumen stellt ihr Bretter her, die dann zu Bausteinen oder Türen fürs Haus werden. Nur eines der unzähligen Beispiele, denn wer sich weit genug in das Spiel hineinfuchst, erstellt gar ganze Städte mit funktionierender Infrastruktur, samt einer vollautomatisierten Felderwirtschaft. Nur Obacht vor den Gegnern! Von Zombies über Spinnen bis hin zu den explosiven Crittern will euch so ziemlich alles Lebendige in der Minecraft-Welt an die Wäsche.

Ist euch der Weg bis zur baulichen Glückseligkeit zu steil, legt ihr im Kreativmodus direkt mit der Umsetzung eurer Ideen los. Ihr baut also Häuser, Fahrzeuge oder komplexe Steuerungssysteme. Komplettiert wird der Modi-Reigen mit diversen Minispielen, die zumindest für einige Kurzweil sorgen. Die Switch-Version kann sowohl off- als auch online mit bis zu acht Mitspielern gespielt werden. Dank Nintendos Freundessystem könnt ihr Spielen eurer Online-Freunde sofort beitreten – einen Switch-Sprachchat gibt es aber nach wie vor nur über die Companion-App auf Android.

An dieser Mauer besonders gut zu erkennen: Die miese Textur-Filterung. (Bild: N-Droid.de)

Technisch ist Minecraft schon seit dem ersten Release keine Offenbarung. Klötzchengrafik und grobe Texturen? Pah, das war vielleicht Anfang der 1990er Jahre en vogue! Hinter der technischen Fassade entpuppt sich Minecraft allerdings als ebenso charmantes wie liebevolles Abenteuer, das in all seinen Gliedern fast vollendet ist. Startet ihr ein Abenteuer, so ist dieses nur die ersten paar Stunden ein zielloses Umherirren, bis ihr die Welt so weit erkundet habt, um diverse Aufgaben zu erfüllen, die euch die Bewohner dieser mysteriösen Welt auftragen. Die umfangreichen Bauoptionen und Physikspielereien begeistern auch noch nach über acht Jahren.

Es gibt andere Titel, etwa – The Forest7 Days to Die – die grafisch schicker sind oder das Überleben in einer feindlichen Welt drastischer inszenieren. Minecraft aber ist so zugänglich und zugleich komplex wie es die Konkurrenz bislang nicht sein kann.

Steuerungsmöglichkeiten

JoyCon einzeln: Nein
JoyCon links und rechts: Ja / ein Paar pro Mitspieler
Switch Pro Controller: Ja /ein Controller Pro Mitspieler
Touch-Eingabe: mit Abstrichen, Menüs können bedient werden, zum Spielen wird ein Controller/JoyCon-Paar benötigt

Die Switch-Fassung schlägt sich im direkten Vergleich mit der PC-Version wacker. Die Auflösung im Handheld-Modus liegt bei 720p, im Dock wird die 1080p-Ausgabe bei konstanten 60 Bildern pro Sekunde gehalten. Kantenflimmern fällt nicht auf, sehr wohl aber die schlechte Filterung der Texturen. Alles, was mehr als fünf Meter entfernt ist, wird mit weniger Details gezeichnet, was den Gesamteindruck etwas trübt. Die Spielwelt ist mit 3.072 mal 3.072 Feldern kleiner als auf XB1 oder PS4 (5.120 Felder in jede Dimension), dennoch wesentlich größer als auf der Nintendos Vorgängerkonsole Wii U. Apropos: Solltet ihr auf eben dieser Plattform bereits einen Speicherstand abgelegt haben, könnt ihr diesen einmalig auf die Switch übertragen. Exklusiv auf Nintendo-Plattformen hüpft ihr mit Super Mario und Co. durch die Botanik und lauscht dem Klang zeitloser Melodien der Kultspiele. Spielerisch hat das aber keine Auswirkungen.

Albern: Mit dem Mario Mashup hüpft ihr durchs Pilzkönigreich, passend zu den Klängen der legendären Jump’n’Runs. (Bild: N-Droid.de)

Die Steuerung geht flott von der Hand, unterscheidet sich qualitativ aber von den jeweiligen Controllern. Im Handheld-Modus sind die JoyCon eure steten Begleiter und obwohl deren Sticks präzise reagieren, ist das „flüssige“ Navigieren und Setzen von Steinen etwas hakelig. Der Pro Controller – geeignet für größere Hände – ist dank seiner perfekten Sticks die weitaus bessere Wahl. Zusätzlich bietet Mojang eine Menünavigation und Itemverwaltung via Touchscreen an.

Der Wermutstropfen: Das Geschäftsmodell

Mit einem Preisetikett von 29,99 € gehört Minecraft: Nintendo Switch Edition zu den teureren Titeln im Nintendo eShop. Es ist jeden Cent wert, denn es ist ein nach wie vor zeitloser Klassiker, der ständig erweitert und verbessert wird. Mit zwei zusätzlichen Skin-Paketen – natürliche Farben und das Super Mario-Mashup der Wii U-Version – sind die Dreingaben allerdings spärlich. Jedes weitere Skin-Paket kostet zwischen 1,99 € und 5,99 € für einzelne Skin-Sätze oder satte 16,99 € für das Baumeister-Paket. Die Skin-Angebote sind nicht etwa irgendwo im Spiel versteckt, sondern hinter der Schaltfläche Minecraft Store prominent im Hauptmenü platziert.

Auch mit den vorinstallierten Skin-Paketen zaubert Mojang unvergessliche Momente auf den Bildschirm. (Bild: N-Droid.de)

Bei kosmetischen Upgrades will es Mojang bzw. Microsoft nicht belassen. Künftig soll Minecraft Spielern aus aller Welt ermöglichen, ihre Kreationen gegen Echtgeld-Bezahlungen feilzubieten, je nach Interesse ist es auch denkbar, dass neue Blöcke und Upgrades nur noch gegen weitere Zahlungen angeboten werden.

Fazit: Spaßig, zeitlos, frech bei der Preisgestaltung

Die Bezahlschranke fällt schnell. 29,99 € für das Spiel sind nach wie vor fair, auch wenn die Xbox-Versionen und das PC-Original günstiger zu bekommen sind. Dass Mojang und Microsoft für die Skin-Pakete schnell zur Kasse bittet und die Kaufoptionen aggressiv anbietet, stößt sauer auf. Es lässt sich auch mit dem Original-Look und den zwei Skin-Varianten (natürliche Farben, Super Mario Mashup) leben, schließlich ist Minecraft nicht unbedingt wegen seiner grafischen Vorzüge zum Hit geworden.

Lasst ihr euch auf das Spiel ein, erwartet euch ein zeitloses und umfangreiches Abenteuer, das auf Nintendo Switch zum Besten gehört, was die Software-Bibliothek derzeit bietet. Das Spiel könnt ihr derzeit nur im Nintendo eShop als Download erwerben, als Modul wird es später in diesem Jahr verfügbar sein.

Minecraft (Switch) im Test: Klötzchen-Spaß mit fragwürdigem Geschäftsmodell

8.5

Spielkonzept

10/10

    Präsentation

    7/10

      Steuerung

      8/10

        Umfang

        9/10

          Pros

          • Zeitloses Spielkonzept mit großem Umfang
          • Einsteigerfreundlich, dank vieler Hilfstexte
          • On- und offline spielbar, auch im Netzwerk
          • Switch-Version spielerisch gleichwertig mit den "großen" Fassungen

          Cons

          • Preisgestaltung der Zusatzinhalte frech
          • Präsentation nur zweckmäßig
          • JoyCon-Steuerung etwas hakelig