Has-Been Heroes (Switch) im Test: Drei Helden gegen das System

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Drei bereits verrentete Helden müssen die Töchter des Königs zur Schule bringen – klingt nach 08/15-Mission, ist aber Aufhänger für ein spannendes Spielkonzept.

Das von uns getestete Exemplar wurde aus Redaktionsmitteln gekauft.

Has-Been Heroes deckt auf, was unweigerlich zur Nicht-Kenntnisnahme toller Spiele führt: Eine mangelhafte PR. Der Publisher hinter Frozenbytes (Trine-Trilogie) heißt GameTrust und dürfte den meisten unbekannt sein. Hinter dem Namen verbirgt sich der Spielehändler GameStop und obgleich das Geschäftsmodell der Kette in letzter Zeit heftig unter Beschuss war, ist die Arbeit als Publisher hinsichtlich Spiele im Portfolio tadellos.

Mit Song of the Deep veröffentlichte das Label vergangenen Sommer ein Metroidvania aus dem Hause Insomniac (Ratchet & ClankSpyro) und kassierte Traumwertungen. Mit DeFormers dürfen sich demnächst die Macher des PS4-Exklusivtitels The Order 1886 im Genre der Mehrspieler-Brawler austoben. GameTrusts Formel: Konzeptionell interessante, originelle Spiele zum kleinen Preis.

Verrentete Helden auf epischem Schulweg

Das vorliegende Has Been Heroes unterstreicht die Ambitionen durch ein komplexes, wie vielschichtiges und suchterzeugendes Spielkonzept, das es so noch nicht gab. Bevor wir darauf eingehen, die dünne Hintergrundgeschichte des Titels: Viele Jahrzehnte zogen ins Land, seitdem das namenlose Königreich letztmalig von finsteren Gestalten angegriffen wurde. Seitdem prosperiert der Frieden – und die stolzen Helden von einst faktisch arbeitslos. Doch dann befiehlt der König zwei seiner treu ergebensten Recken zu sich, um sie mit einem heiklen Auftrag zu betrauen – die beiden sollen die Töchter des Königs zur Schule bringen. Begleitet von einer noch unerfahrenen Diebin, die das Quintett vervollständigt, erleben die fünf entgegen ihrer Erwartungen heftige Kämpfe gegen hunderte Untoter. Die epischste Quest – wer hätte das gedacht – ist der Schulweg.

Komplexes Kampfsystem – hoher Schwierigkeitsgrad

Has-Been Heroes fordert den Spieler auf viele Weisen. Zunächst fordert es eure Geduld, da der Spielablauf simpel klingt, aber seine Raffinessen hat. Vor jedem Schulweg wird ausgewürfelt, durch welche Landschaft ihr euch schlagt; hierauf wird für dieses Areal eine kleine Karte zufallsgeneriert, über die ihr euch von einem Knotenpunkt zum anderen bewegt. Jeder Punkt steht für ein spezielles Event – einen fliegenden Händler, Truhen, eine Rastgelegenheit oder einen Kampf. Kommt es zum Scharmützel, sortieren sich die Helden in drei Lanes und Has-Been Heroes mutiert kurzzeitig zu einer Art Pflanzen gegen Zombies, da sich von rechts die Untoten und Monster nähern. Im Strategieklassiker der Botanik gegen das Gammelfleisch galt es, möglichst effizient Geschütze und Hindernisse zu platzieren – in Has-Been Heroes delegiert ihr die Angriffe eurer drei Helden.

Der Anfang des Abenteuers ist ungewöhnlich: Eigentlich sollt ihr nur die Prinzessinnen zur Schule geleiten. (Bild: Frozenbyte)

Per Knopfdruck einen der drei ausgewählt, könnt ihr ihn oder sie angreifen lassen und nach erfolgreicher Attacke noch die anderen beiden Helden einsetzen, um möglichst effektive Kombos auf den Bildschirm zu zaubern. Nach jedem Angriff brauchen die Helden eine Weile, ehe sie erneut attackieren können. Da die Gegner unaufhaltsam auf euch zustürmen, sollte deshalb jede Attacke sorgfältig geplant werden.

Euch stehen Hilfsmittel bereit, um etwas Druck aus den Kämpfen zu nehmen. Jederzeit könnt ihr das Geschehen pausieren und den nächsten Schritt planen. Außerdem könnt ihr auf mächtige Zaubersprüche zurückgreifen, darunter Feuerbälle, einen Angriffsboost oder Eiskristalle, die den Gegner verlangsamen. Eine Schlacht ist gewonnen, wenn ihr entweder alle Feinde besiegt oder eine gewisse Zeit durchhaltet, sodass die Untoten die Flucht ergreifen.

Ein Beispiel für effektive Teamangriffe – unten rechts übrigens die zufallsgenerierte Karte. (Bild: Frozenbyte)

Während diese Kämpfe zwar fordern, aber schnell monoton werden, sind die Bosskämpfe mit ihren einzigartigen Settings das Salz in der Suppe. Mal gilt es, die Trugbilder einer Hexe zu zerstören, ehe das Zauberweib erlegt werden kann; mal müsst ihr zuerst spezielle Kristalle auf dem Schlachtfeld zerstören, die im intakten Zustand den Endgegner davor schützen Schaden zu nehmen. Da jeder Held im Spiel den Feind anders und mal mehr, mal minder effektiv angreift, kommt es auf die richtige Zusammenstellung des Helden-Trios an. Die Diebin etwa ist flink, aber wenig durchschlagkräftig. Der Ritter ist das komplette Gegenteil, träge und stark. Zwischen diesen Polen gibt es noch zig andere freischaltbare Recken, die ihr zu einer schlagkräftigen Truppe zusammenwürfelt.

Das Spiel endet mit einem Game Over, so wie einer eurer Helden das Zeitliche segnet. Dann wird abgerechnet, für jeden getöteten Gegner erhaltet ihr Punkte und ab einer gewissen Summe schalten diese neue Items, Gegnerkarten und Helden frei. Erfahrungspunkte wie in den meisten RPGs gibt es hingegen nicht.

Umständliche Bedienung, maue Präsentation

Has-Been Heroes nutzt die Switch-Features nur unzureichend. Eine Touchsteuerung vermissen wir schmerzlichst, auch weil die Bedienung über die JoyCon umständlich ist. Jeder Knopf löst ein anderes Ereignis aus und fast alle Elemente werden irgendwie genutzt. Bis die Bedienung in Fleisch und Blut übergegangen ist, vergehen Stunden. Dann allerdings zieht ihr flott und präzise übers Spielfeld, schüttelt wirkmächtige Kombos aus dem Handgelenk und bringt eine Bastion nach der anderen zu Fall.

Gerade am Anfang geht die Übersicht schnell flöten – mit jeder Schlacht lernt ihr aber hinzu, wie ihr die Truppe effektiver durch die Kämpfe navigiert. (Bild: Frozenbyte)

Ein anderes Feld ist die Präsentation – hier ist Has-Been Heroes ein durchaus charmanter Vertreter mit seinen handgezeichneten 2D-Hintergründen und Figuren, die putzig animiert sind. Wir können aber daran zweifeln, dass die Leistung der Switch nur annähernd ausgereizt wird, das Spiel nutzt die spartanische Grafik als Mittel zum Zweck, das komplexe Kampfsystem hinter der knuffigen Fassade ist der eigentliche Star.

Denn das Kampfsystem ist suchterzeugend wie sonst nur Tetris und vergleichbare Großkaliber. Man kennt’s: Nur noch ein Versuch, nur noch ein Bossgegner, nur noch eine neue Helden-Party zusammenwürfeln – und schon sind ungezählte Stunden vergangen.

Fazit: Ein tolles Spiel, das wohl keiner auf dem Schirm hat

Has-Been Heroes gehört zu den Titeln, die im Release-Overkill unserer Zeit gnadenlos untergehen. Man nehme ein etabliertes Studio (Frozenbyte), mixe Pflanzen gegen Zombies mit den Active-Time-Battles der Final Fantasy Reihe und garniere es mit dem Sammelwahn eines Magic: The Gathering – das Resultat könnte Has-Been Heroes heißen. Der Titel verlangt ohne Zweifel viel Zeit, ehe Steuerung und Spielkonzept vertraut sind, es setzt eine hohe Frustresistenz voraus, da ihr die ersten Stunden wieder und wieder den Game Over-Bildschirm sehen werdet. Doch habt ihr das Spiel erst einmal verinnerlicht, lässt es euch so schnell nicht los. Daher: Eine klare Kaufempfehlung.

Has-Been Heroes könnt ihr für je 24,99 € auf Nintendo SwitchPlayStation 4Xbox One und PC exklusiv bei GameStop als Retail-Fassung erwerben – oder in den jeweiligen Online-Stores der Plattformen erwerben.

Eine Android-Version ist bislang nicht angekündigt.

Has-Been Heroes

24,99
Has-Been Heroes
7.25

Spielkonzept

9/10

    Präsentation

    6/10

      Steuerung

      7/10

        Umfang

        8/10

          Pros

          • Süchtigmachendes Spielkonzept
          • Komplexe, herausfordernde Kämpfe
          • Viele freischaltbare Boni
          • Hoher Wiederspielwert

          Cons

          • Für Einsteiger zu schwer
          • Überladende Steuerung
          • Keine
          • Switch-Features werden nicht genutzt
          • Technisch altbacken