Doro Liberto 820 Mini: Das Billig-Smartphone für User jenseits der 70 Jahre

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Wenn ein Hersteller bei der Beschreibung seines Smartphones den Prozessor-Typ lieber verheimlicht, dann muss man vorsichtig sein – oder? Nein, nicht im Falle des Doro Liberto 820 Mini. Hierbei handelt es sich um ein kompaktes 4-Zoll-Handy für Senioren, bei dem ganz andere Dinge im Vordergrund stehen. Wir haben das ungewöhnliche Smartphone unter die Lupe genommen.

Ein Handy fürs fortgeschrittene Alter

Doro Liberto (Bild: Doro)

Ja, richtig gelesen: Das rund 170 Euro günstige Doro Liberto 820 Mini richtet sich nicht an die typische Zielgruppe von Smartphones. Stattdessen brachte das schwedische Unternehmen auch mit seinem neuen Modell ein Mobiltelefon für Menschen jenseits der 60 oder 70 Lenze auf den Markt. Eben ein Senioren-Handy. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern entspricht der Tatsache. Und das ist auch gut so. Denn unsere Gesellschaft wird immer älter – und somit wächst auch die Gruppe derer, die im fortgeschrittenen Lebensalter ein Handy ohne große Hürden benutzen wollen.

Somit ist klar: Das Doro Liberto 820 Mini kann man weder mit einem iPhone, noch mit einem günstigen Mobiltelefon wie beispielsweise dem Leagoo Lead 7 oder Ulefone Be Pro vergleichen. Das Doro-Handy spielt in seiner eigenen Klasse und ist am ehesten mit den Typen des Konkurrenten Emporia Telecom vergleichbar, mit denen auch die sogenannten „Best Ager“ adressiert werden.

Das Unboxing sorgt für einen guten Ersteindruck

Doro Liberto (Bild: Jürgen Kroder)

Obwohl das Doro Liberto 820 Mini unter 200 Euro kostet, kommt es in einer großen Verpackung daher, die satte 680 Gramm auf die Waage bringt. Hat der Hersteller hier Backsteine beigelegt? Nein. Stattdessen punktet die Hülle mit allerlei Inhalt. So findet man hierin eine Docking-Station, Kopfhörer, ein Ladegerät, ein kompaktes Handbuch („Kurzanleitung“ genannt) in sieben Sprachen sowie einen Guide, der geläufige Fachbegriffe wie Apps oder Cloud erklärt. Und natürlich ist noch das  Liberto 820 Mini mit seinem Akku enthalten.

Im Gegensatz zu der gewichtigen Verpackung fällt das Smartphone mit rund 140 Gramm recht leicht aus. Obwohl bei dem Gerät viel Plastik verbaut wurde und es somit nicht so hochwertig wie viele andere moderne Handys aussieht, liegt es durch seinen stark abgerundeten Ecken, dem Gewicht und dem gummierten Rückseite angenehm in der Hand. Gut ist auch, dass die drei Buttons für die typischen Android-Funktionen als haptische Tasten zum Drücken vorhanden sind.

Doro Liberto (Bild: Jürgen Kroder)

Wie es der Name besagt, ist das Doro Liberto 820 Mini das kleinere Schwestermodell des „großen“ Liberto 820. Mit seinen Maßen von 12,6 x 6,6 x 1,1 Zentimetern bietet es nur Platz für ein vier Zoll großes Display. Das stellt zwar die Farben satt und hell dar, doch die Auflösung von 480×800 Pixel ist alles andere als zeitgemäß – zumindest aus der Sicht eines „normalen“ Smartphone-Users.

Ebenso „oldschool“ fallen die anderen technischen Daten aus: Es stehen einem nur 200 MB an internem Speicher zur Verfügung, die Back-Kamera löst mit fünf Megapixel aus, der Akku bietet lediglich 1.500 mAh und die Daten rauschen maximal mit 3G (UMTS) durch den Äther. Wie viel Arbeitsspeicher oder welcher Prozessortyp in dem Gerät steckt, verrät Doro nicht. Aber höchstwahrscheinlich dürften solche Daten für die Zielgruppe ziemlich unerheblich sein.

Inbetriebnahme mit kleinen Hürden

Doro Liberto (Bild: Jürgen Kroder)Doro spricht mit seinen Handys Senioren und/oder Laien an, die schnell und einfach die Vorzüge eines Smartphones nutzen wollen. Das ist ein hehres Ziel, das leider bei den ersten Schritten nicht ganz erfüllt wurde: Das Einlegen des Akkus und der Sim-Karte sind wie bei den meisten Handys eine fummelige Angelegenheit. Die Einrichtung des Smartphones fällt dank eines intregrierten Assistenten, der viele Dinge gut erklärt, besser als bei vielen anderen Geräten aus. Doch ganz ohne Fachwissen dürfte sich der Prozess als zäh gestalten. Zum Glück liegt wie erwähnt ein Handbuch bei. Trotzdem empfiehlt es sich, dass unversierte Käufer sich einen helfenden Beistand holen sollten.

Ist das Liberto 820 Mini eingerichtet, merkt man, dass Doro an seine Zielgruppe gedacht hat. Anstatt der typischen Android-Optik (in diesem Fall von Version 4.2.2) wird man hier von einem modifizierten Homescreen mit großen Icons begrüßt. Drei davon sind frei belegbar, zum Beispiel mit Shortcuts zum Anruf von wichtigen Personen oder für Apps seiner Wahl. Die Symbole für Telefonie, Messages (SMS oder MMS) sowie die Kamera sind fest vergeben.

Über den Punkt „Menü“ gelangt man auf drei weitere Screens, wo zusätzliche Apps mit großen Icons und gut lesbarem Text verankert sind. Hier sind unter anderem Apps für Kalendereinträge, Mails, Wetterinformationen, Notizen oder ein Online-Radio abgelegt. Auch eine Taschenlampen-Funktion sowie ein Denkspiel wird angeboten. Wer möchte, kann mit wenigen Klicks weitere Apps hinzufügen.

Der SOS-Knopf kann lebenswichtig sein

Speziell für seine Zielgruppe hat Doro sein Android-Phone um ein paar zusätzliche Funktionen erweitert. So gibt es beispielsweise einen Fernwartungs-Modus, mit dem Freunde oder Verwandte auf das Smartphone zugreifen können, um es einzurichten.

Auf der Rückseite befindet sich ein Notfall-Knopf. Drückt man den, wählt das Smartphone vorher einprogrammierte Nummern an und übermittelt per SMS unter anderem die GPS-Daten. So kann das Liberto 820 Mini zum Lebensretter in brenzligen Situationen werden.

Was uns auch gefällt ist der Dock-Modus: Legt man das Senioren-Handy in seine Docking-Station, dient es als Uhrzeit-Anzeige, MP3-Player oder zum Präsentieren seiner Fotos.

Doro Liberto (Bild: Doro)

Fazit

Das Doro Liberto 820 Mini ist anders. Es protzt nicht mit satter Leistung und einem schicken Design, sondern mit seiner im Grunde einfachen Bedienung – sofern man die Hürden der nicht ganz leichten Einrichtung hinter sich gebracht hat.

Je länger man sich mit dem Senioren-Handy beschäftigt, merkt man, wie der Hersteller an seine Zielgruppe gedacht hat. Angefangen vom gedruckten Handbuch über den integrierten Assistenten und der Hörgeräte-Unterstützung bis hin zum Notfall-Knopf und dem Docking-Modus: Das meiste wirkt pfiffig und praktisch.

Doch in manchen Punkten sollte Doro mit seinen nächsten Versionen nachbessern. Zum Beispiel wäre mehr Speicher sinnvoll. Mit den mageren 200 MB kann man kaum Fotos speichern, Musik genießen und dann auch noch Apps installieren. Auch wenn Menschen mit 70 oder 80 Jahren wohl keine exzessiven App-Downloader sind, so möchten sie sich aber bestimmt mit ihren Verwandten über Whatsapp und Facebook austauschen oder mal eine Runde „Candy Crush“ spielen.

Ebenso zu bemängeln ist die virtuelle Tastatur, die gerade auf dem eh schon kompakten 4-Zoll-Display viel zu klein ausfällt und selbst bei jungen Menschen für einige Fehltipper sorgt.

Trotz aller Kritik bleibt unterm Strich ein gutes Handy für die älteren Generationen. Gerade wenn man den Preis von nur 180 Euro (ohne Vertrag) bedenkt.

Das spricht für das Gerät…

  • Niedriger Preis
  • Handbuch und Assistenten
  • Große Icons und Texte
  • Zusatzfunktion wie bspw. Fernwartungs-Modus
  • Notfall-Knopf
  • Docking-Modus mit guten Ideen

… und das dagegen

  • Design wirkt altbacken
  • Inbetriebnahme umständlich
  • Zu wenig Speicher
  • Virtuelle Tastatur zu klein