Sprocket: HPs kleinster Drucker fürs Smartphone

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Da die Polaroid-Kamera tot ist (traurig, traurig) und viele Nutzer gerne ihre Fotos sofort drucken würden, hat sich eine Marktlücke aufgetan, in die HP gerne reinsticht. Sprocket heißt der portable Drucker. Was er kann, das klären wir im Test.

Den Ersten beißen die Hunde

Ironie der Geschichte. Hättet ihr gewusst, dass Kodak die Digitalkamera erfand? Nein? Seht ihr, so kann Geschichte verlaufen. Man macht eine revolutionäre Erfindung, nutzt sie aber nicht und letztlich bricht einem das Geschäft mit klassischen Umsatzbringern weg – in Kodaks Fall diversen Fotofilmen, die dem Unternehmen zu Weltruhm halfen. Mehr als der klangvolle Name und ein Neustart blieb nicht von der goldenen Vergangenheit. Anders bei HP: Das Unternehmen kann fast alles. Kleinstrechner, Desktop-PCs, Drucker, Scanner, neuerdings eben auch portable Drucker.

Sprocket klingt zunächst wie die ganz große Verheißung: Ohne Druckerpatrone, dafür mit USB und kleinen Klebefotos könnt ihr jedes Bild auf eurem Smartphone ausdrucken. Sofort. Ohne große Warterei. und eben überall. Die Innovation lässt sich HP einiges kosten: 134,95 € werden aktuell in der UVP für den portablen Drucker aufgerufen. Ihr denkt, das ist schon viel? Die Folgekosten sind horrender! 20 Blatt des patentierten Zink-Fotopapiers kosten knapp 16 Euro! Das entspricht also 80 Cents pro Bild – ein happiger Preis, an den sich Sprocket-Nutzer gewöhnen sollten, nein: gewöhnen müssen. Es gibt es nämlich kein alternatives (bzw. günstigeres) Papier, das in den Thermodrucker passt.

Wenig Inhalt, schnörkellose Verarbeitung

Aber der Reihe nach. HP liefert neben Sprocket ein USB-Kabel zum Laden und eine kleine zweiseitig bedruckte Karte, auf der ihr nur den Verweis findet, die Sprocket-App aus dem Google Play Store zu laden. Die ist tatsächlich notwendig, um das Gerät nutzen zu können. Trotz diverser Schnittstellen in Android verweigert Sprocket nämlich den Betrieb mit Googles Druckdialogen. Was die Fertigung des Geräts angeht, so ist das 172 Gramm leichte und mit 7,5 mal 11,5 mal 2,2 cm kompakte Gerät von zeitloser Eleganz und Schönheit. Den Deckel könnt ihr aufschieben und in dem Fach darunter das Papier (maximal 10 Blatt) verstauen.

Habt ihr dies getan, nehmt ihr das Gerät in Betrieb: Einfach die On/Off-Taste für einige Sekunden gedrückt halten, loslassen und über das Bluetooth-Pairing unter Android mit dem Smartphone verbinden. Fertig, also… fast! Um eure Fotos nun zu drucken, wählt ihr die Sprocket-App, wählt eines der vorhandenen Bilder aus oder knipst ein neues Foto über die Smartphone-Kamera, das sofort an Sprocket gesendet wird. Dabei könnt ihr den Schnappschuss per Fingergesten drehen, schieben und zoomen, sodass der gewählte Ausschnitt eurer Vorstellung entspricht. Das Gerät benötigt nach Auftragsübermittlung etwas Zeit, um sich aufzuwärmen, bringt das Resultat dann aber binnen weniger Sekunden aufs Papier.

Das Papier wird einfach eingelegt, nachdem ihr den Deckel abgezogen habt. Schade: Nur 20 Bögen passen gleichzeitig rein. (Bild: N-Droid.de)

Das Papier wird einfach eingelegt, nachdem ihr den Deckel abgezogen habt. Schade: Nur 20 Bögen passen gleichzeitig rein. (Bild: N-Droid.de)

Schade nur: Unser Testgerät (das hervorragende Bluboo Maya Max, Test hier) verweigerte konsequent den Betrieb nach dem Druck eines Fotos – die App stürzte ab. Zwar konnten wir sofort neu starten und das nächste Bild in Auftrag geben, der reproduzierbare Absturzfehlder trat aber auf einer ganzen Reihe weiterer Devices auf, darunter Sony-Smartphones und einem Huawei (alles Android 6.0 Marshmallow).

Durchschnittliche Druckqualität, heftige Farbverfälschungen

Das Resultat könnte zwiespältiger nicht sein. Klar, fetzt schon, wenn die Schnappschüsse nicht nur auf dem Display aufblitzen, sondern greifbar sind und als Sticker sofort irgendwo hingeklebt werden können. Doch Sprocket bietet keine allzu gute Qualität – gegenüber einer Polaroid-Sofortbildkamera fällt das Ergebnis arg ab. Konturen verwischen, Farbverläufe sind entweder unklar oder werden flächig so ausgerechnet, dass weiche Farbverläufe mitunter an Malen nach Zahlen erinnern; statt kraftvoller Farben wirken die Fotos auf Zink-Papier blass und kontrastarm. Denkbar ungünstig außerdem: Viele unserer Fotos haben einen Rotstich an einer Bildkante, der in den folgenden Tagen noch stärker wurde. Allein sind wir mit diesem Problem nicht. Diverse, verifizierte Kundenmeinungen erwähnen farbige Stiche ebenfalls, bemängeln außerdem die geringe Druckauflösung

Gehen wir einmal darauf ein:

sprocket_2

Links der Sprocket-Ausdruck, rechts das Originalbild, beide angepasst, sodass wir sie nebeneinander stellen können. Was sofort auffällt: Schwarztöne, Tiefen, Lichter und Kontraste sind im Digitalbild auf dem Smartphone wesentlich besser. Auch ist die Bildschärfe (trotz des Down-Scalings) wesentlich besser, während beim Sprocket-Ausdruck alles ein wenig verschwimmt. Am oberen Rand außerdem auszumachen: Der leichte Rotstich des Sprocket, der in den Tagen nach einem Ausdruck noch zunahm.

Ähnlich wie dieses Resultat sind auch viele andere Fotos. Da die Bildgröße aber recht klein ist, will der Sprocket ohnehin kaum mehr, als Schnappschüsse in eben jener Schnappschuss-Qualität auszuwerfen.

Fazit: Teurer Fotospaß, der stark optimierungsbedürftig ist

Sporkcet ist ein großer Spaß, allerdings ein teurer. neben 135 Euro fürs Gerät greift das Fotopapier mit 16 Euro für zwanzig Blatt schnell ins Portmonee. Der Thermodrucker für die Westentasche un das Smartphone hält sein Versprechen, jederzeit Schnappschüsse drucken zu können, qualitativ aber sind die Resultate dürftig. Farbverfälschungen, verwaschene Konturen – an den Instantbild-Primus Polaroid kommt Sprocket bei weitem nicht heran! Ob euch der kleine Foto-Spaß soviel Geld wert ist, bleibt letztlich euch überlassen. Positiv aber: Die hochwertige Verarbeitung, die gut gestaltete App und das Tempo, in welchem die Fotos aus dem Sprocket kommen.

Ein nachfolgegerät, das die Begfativpunkte ausmerzt, wäre wünschenswert, da die Idee hinter Sprocket wirklich gut ist.

Sprocket könnt ihr in weiß oder schwarz auf Amazon.de kaufen.

Pro

+ Schneller Druck
+ Hochwertige Verarbeitung im zeitlos guten Design
+ App ist einfach zu bedienen

Contra

– Hohe Folgekosten für Fotopapier
– Mäßiges Druckergebnis (Farbverfälschungen, verwaschene Konturen)
– Nicht über Googles Druckdialog nutzbar
– Nur zehn Blatt in der Kassette