Musik-Streaming, Teil 1: Google Play Music

Platten- und MP3-Käufe sind rückläufig, in den USA haben es dieses Jahr überhaupt nur drei Alben über die magische 1-Millionen-Marke geschafft? Egal! Dank Streaming-Diensten erlebt die Musikbranche einen zweiten Frühling.

Zeit für uns, einmal die verschiedenen Streaming-Dienste für euch zu analysieren. Beginnen wir mit Google Music, dem Android-Platzhirsch schlechthin.

Benutzerführung und Plattformen

Google Music? Dürftet ihr kennen, denn Google liefert die Anwendung standardmäßig mit jeder Android-Fassung aus – zumeist existiert sie neben einer weiteren Abspiel-App für Musik und Medien. Der Unterschied nur: Google Music dient euch sowohl für Offline-Medien als auch Online-Streams.

Auf Android-Tablets und -Smartphones beschränkt ist Google Music nicht – ihr könnt den Dienst auch im Browser nutzen, dort Musik anhören, hochladen, Playlists zusammenstellen oder eines der verschiedenen Künstler-, Genre- oder Stimmungsradios hören. Die Benutzerführung ist mustergültig. Alle Menüs sind klar strukturiert, die Funktionen erklären sich fast von selbst – von Vorteil ist außerdem, dass Desktop-Variante und Android-App fast identisch strukturiert sind, sich demnach nur in Nuancen unterscheiden.

Kostenlos ist der volle Serviceumfang nicht. Wollt ihr kein Geld bezahlen, degeneriert sich die Android-App zum Offline-Player mit passablen Qualitäten. Das übersichtliche Design und viele Einstellungsoptionen stehen eindeutig auf der Haben-Seite. Im Soll befindet sich die App dann aber bei der Online-Anbindung, da hierzulande ein kostenloses Hörangebot mit Werbeeinblendungen nach dem Vorbild von Spotify fehlt.

Musikauswahl und -qualität

Google Music trumpft mit 35 Millionen Titeln auf – viel zu viel Musik, die für Dutzende Leben reicht, ohne dass sich ein Titel wiederholen würde. Na ja, fast. Denn wie bei so vielen Streaming-Diensten finden sich viele Titel doppelt und dreifach. So werden Linkin Parks Alben in der regulären und der Deluxe-Fassung angeboten – schlimmer noch sind die zahlreichen Cover-Alben, die Google Music zu hunderten führt und die sich die Playlists und Interpretationen unzählige Male teilen. So schrumpft die tatsächliche Auswahl etwas zusammen.

Alles auf einem Bild: Klassiker ("New Radicals"), moderne Musik ("Papa Roach"), Geheimtipps ("Lights") und mehrere Versionen eines Albums ("Minutes to Midnight" von "Linkin Park") finden sich auf Google Music - alternativ sortiert ihr die Künstler links in die Playlists. Reicht auch das nicht, ladet ihr einfach andere Musik in den Cloud-Speicher. (Bild: N-Droid.de)

Alles auf einem Bild: Klassiker („New Radicals“), moderne Musik („Papa Roach“), Geheimtipps („Lights“) und mehrere Versionen eines Albums („Minutes to Midnight“ von „Linkin Park“) finden sich auf Google Music – alternativ sortiert ihr die Künstler links in die Playlists. Reicht auch das nicht, ladet ihr einfach andere Musik in den Cloud-Speicher. (Bild: N-Droid.de)

Was die Auswahlqualität angeht, ist Google Music ein zweischneidiges Schwert. Viele klassische Alben finden sich, oftmals gar verschollen geglaubte Original-Bootlegs von Künstlern wie Guns ’n Roses. Während Axl Rose, Slash, Duff und Co. Google Music als Bereicherung ansehen und darüber neue Fans zu erreichen versuchen, sehen andere Künstler das Streaming-Angebot etwas differenzierter. Beispielhaft soll Eagles-Frontmann Don Henley („Boys of Summer“) genannt sein. Der stellt seine Alben on- und offline wie es ihm beliebt. Aktuell finden sich fast nur noch Live-Alben, während die legendären Studioaufnahmen nicht mehr zugänglich sind. Auch Musikrebell Neil Young („Hey hey my my“) kündigte an, dass er Google Music und Co. aufgrund grausiger Klangqualität nicht weiter unterstützen würde. Dazu kommen wir noch.

Die Nostalgie ausgeklammert, ist das Angebot moderner Musik vorzeigbar. Granden wie Adeles neues Album oder Die Toten Hosen glänzen zwar oftmals oder eine sehr lange Zeit durch Abwesenheit, im Querschnitt dürftet ihr zufrieden sein, egal, ob ihr nun englischsprachige, spanische oder deutsche Musik hören möchtet. Reicht euch die Auswahl nicht, ladet ihr einfach weitere Musik hoch – über den Browser am PC oder die passende Desktop-Anwendung.

Streamingqualität

Die Klangqualität ist solange exzellent wie ihr die Titel vorab aufs Handy/Tablet herunterladet oder Streams über den PC hört. Anders verhält sich dies, wenn ihr mobil unterwegs seid. Obwohl Google Music euch die Streamingqualität in drei Stufen und bis zu 320 kbps regeln lässt, wirkt die Musik arg komprimiert. Höhen und Tiefen versacken, S-Laute wirken verzerrt. Dabei ist es unerheblich, welches Handy oder welche Kopfhörer ihr verwendet. Während dies bei moderner Musik oftmals nicht zum nachteil gereicht, ist Klassik mit diesen Einschränkungen kaum noch ein Hörgenuss. Dynamik, Frequenzumfang und die „Breite“ wie auch Wucht des Klangs eines Orchesters werden von Google Music nicht transportiert.

Stimmungsradios, eine übersichtliche Darstellung aller von euch favorisierten Künstler und die Top-Charts sind nur einige der Highlights in Google Music. (Bild: N-Droid.de)

Stimmungsradios, eine übersichtliche Darstellung aller von euch favorisierten Künstler und die Top-Charts sind nur einige der Highlights in Google Music. (Bild: N-Droid.de)

Die Android-App ist von der Nutzergemeinde mit 3,9 nicht gerade super bewertet. Gründe dafür sind vor allem Streaming-Probleme, Skipping von Songs und verschwundene Titel, die neu heruntergeladen werden müssen.
Der erste Eindruck der App ist gut. Sie lässt sich flüssig bedienen und wirkt übersichtlich. Sie lässt sich als normalen Musik-Player nutzen, da auch lokale Songs angezeigt werden. Die Musik lässt sich nach einigen wenigen Kriterien sortieren und die Streaming-Qualität im mobilen Netz manuell einstellen. Ein kleiner Bug ist sofort aufgefallen, durch den bei der Auswahl eines Künstlers das komplette Genre angezeigt wurde. Erst nach mehreren Versuchen, wurde die Liste korrekt mit dem einen Künstler gefüllt.

Ein großes Minus gibt es für die Abspiel-Qualität, da es auch bei lokaler Musik zu Kratzen und Hängern kam. Außerdem werden Cover leider nicht automatisch heruntergeladen bzw. vervollständigt.

Preis-Leistung

Ein Abo kostet entweder 9,99 € oder 14,99 € im Familien-Tarif für bis zu sechs Personen. Damit liegt Google preislich genau in der Linie der Konkurrenz. Dafür bekommt ihr werbefreie Radio Stations, kompletten Zugriff auf die gesamte Musik-Datenbank und ihr könnt selektiv Musik für den Offline-Betrieb herunterladen. Google bietet ein 30-tägige Testversion des Dienstes an. Der Streamingdienst läuft nach Ablauf des Probemonats automatisch weiter, kann aber allmonatlich gekündigt werden.

Ähnlich wie Spotify und Deezer bietet Google – zumindest in den USA und anderen ausgewählten Ländern – eine eingeschränkte, werbefinanzierte Option, über die ihr verschiedene Radio Stations und Podcasts hören könnt. Vor allem aber ist der Musik-Upload interessant, über den ihr eure Musik auch in der Cloud sichern könnt, ohne euren Google Drive-Speicher zu belasten.

Fazit

Google Play Music IconGoogle Music ist ein solider Allrounder für Musikfreunde. Die Steramingqualität ist gut, wenngleich vom perfekten Klang einer verlustfreien Musikdatei entfernt. Benutzerführung, Musikkatalog und Optionen wie der Musikupload sind ein gutes Gesamtpaket, das allen Android-Nutzern offensiv angeboten wird. Das beste Paket ist es nicht; andere Dienste bieten in ihren Spezialdisziplinen Qualitäten, denen Google nicht gerecht werden kann. Musikempfehlungen etwa sind etwas zu generisch, die Radios nicht kuratiert, die Klangqualität für Genres wie Klassik nicht gut genug. Zu einem Preis von 9,99 €/Monat ist Google Music sicher attraktiv genug, abonniert zu werden. Unterm Strich könnte man sagen: Ein Streamingdienst für den Durchschnittshörer.