Akku-Laufzeit mit wenigen Handgriffen verlängern

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Octa-Core-Prozessoren, mehr RAM, mehr Leistung, schnelleres WLAN und LTE als Mindeststandard – Smartphones sind wahre Alleskönner. Und Stromfresser. Trotz riesiger Akkus geht der Saft schneller aus, als einem lieb ist. Die Lösung: Strom sparen. Wie? Das verraten wir euch in diesem Tutorial.

Eine Zusammenfassung der effektiven Stromspar-Tipps findet ihr am Ende des Artikels

Deshalb macht das Android-Smartphone schlapp

Nicht nur der Datenhunger der Apps, auch das Display saugen genüsslich am Akku - Zeit, den Saft abzudrehen. (Bild: N-Droid.de)

Nicht nur der Datenhunger der Apps, auch das Display saugen genüsslich am Akku – Zeit, den Saft abzudrehen. (Bild: N-Droid.de)

Wenn es nur so einfach wäre: Starke Prozessoren brauchen viel Strom. Strom, den natürlich auch die Ausführung von Apps frisst wie nix. Wirklich? Weit gefehlt. Die Ausführung einer App kostet richtigerweise Rechenleistung und damit Elektrizität, die Ursachen für einen unerwartet schlapp machenden Akku sind komplexer. Android als mobiles Betriebssystem bietet Apps neben der Ausführung im Frontend ein umfangreiches Multitasking an – die kleinen Anwendungen toben sich im Hintergrund aus, greifen auf diverse Systemfunktionen zu und holen das Telefon hierzu immer wieder aus dem stromsparenden Standby-Modus.

Dann werden Daten online abgeglichen, neue Mails herunter geladen, fürs Spielchen zwischendurch noch ein wichtiges Update gezogen, und und und. Es ist also nicht einer App geschuldet, dass der Akku schnell in die Knie geht. Sondern der ganzen Flut an kleineren „Weckrufen“.

Google hat in der Vergangenheit viel dafür getan, aktive Apps in ihrem Hunger nach Strom in die Schranken zu weisen. Ihr könnt die Anwendungen jederzeit über einen Taskmanager stoppen – oder drastischerweise deinstallieren. An der Rechtevergabe ändert dies kaum etwas – Android lädt viele der kleineren Prozesse bereits im Autostart und gibt Nutzern nicht die Möglichkeit, etwas am Wakelock-Verhalten zu ändern.

Indirekt könnt ihr trotzdem etwas gegen die Stromhunger tun. Apps wie Twitter, der Email-Client, Facebook und diverse News-Apps können derart konfiguriert werden, dass sie ihre Daten nur bei aktiver Nutzung aktualisieren und nicht alle paar Minuten ins Netz funken. Meist wird dies unter den Menüpunkten „Synchronisierung“ oder „Benachrichtigungen“ zusammengefasst. Stromfresser Nummer eins: Der PlayStore von Google. Er sucht permanent nach Updates für eure installierten Apps. Schaltet seine Synchronisation besser aus und führt Updates manuell durch.

Reduktion als Stromspar-Schlüssel – und unnötige Battery-Saver-Apps

Die meisten Battery-Saver-Apps taugen kaum zum Stromsparen, da Google ihnen wichtige Rechte vorenthält. (Bild: N-Droid.de)

Die meisten Battery-Saver-Apps taugen kaum zum Stromsparen, da Google ihnen wichtige Rechte vorenthält. (Bild: N-Droid.de)

Noch effektiver ist das Beseitigen von Widgets, die schlicht unnötig sind. Eine Wetter-App beispielsweise ist sinnbefreit, wenn ihr morgens den Wetterbericht gelesen habt und aus dem Fenster schauen könnt. Wetter ist immer, und ob es nun regnet oder die Sonne den Pelz brennt, erkennt ihr auf einen Blick. Und wenn es doch mal von Interesse ist, wie die kommenden Tage werden, könnt ihr auch die Google-Suche bemühen. Überflüssige Kalender-Apps können ebenso am Akku saugen, sollten also auf eine App reduziert werden – und die Deaktivierung unliebsamer persönlicher Assistenten wie Google Now wirkt ebenfalls Wunder.

Ein Tipp, falls ihr zwar unterwegs seid: Aktiviert LTE. Das klingt zunächst kontraproduktiv, wirkt sich jedoch positiv auf die Akkuleistung aus. Daten werden schneller geladen, das Telefon kann demnach auch schneller wieder in den Standby versetzt werden. Die langsameren Netztypen (vorrangig 2G und 3G) ziehen genauso viel Strom wie LTE, brauchen aber länger, um die gleiche Menge an Daten zu synchronisieren. Für WLAN-Netze daheim gilt das Gegenteil: Setzt hier auf das 2,4-GHz-Band statt die 5-GHz-Frequenz. Letztere ist in der Theorie bedeutend schneller, verbraucht dabei gut das doppelte an Strom, da beide Antennen aktiviert werden. Für die Laufzeit ist dies kontraproduktiv.

Selbiges gilt für ständig aktivierte Funk- und Ortungsmodule: NFC, Bluetooth oder GPS sind bei vielen Android-Smartphones standardmäßig installiert – einen wirklichen Nutzen zieht ihr nicht daraus. Und solltet ihr von einer dieser FUnktionen Gebrauch machen, könnt ihr sie jederzeit mit wenigen Tipps auf den Bildschirmen aktivieren.

Einen Bogen solltet ihr um Apps machen, die versprechen, den Stromverbrauch zu senken. Oftmals sind die zumeist kostenpflichtigen Apps zu kaum mehr in der Lage als ihr selbst mit den oben genannten Kniffen. Eine Alternative mit passablen Ergebnissen stellen wir euch in den kommenden Tagen vor.

Sony und Samsung als Stromspar-Vorreiter

Samsungs Produktpalette verfügt über einige Software-Routinen, die Strom sparen. (Bild: Samsung)

Samsungs Produktpalette verfügt über einige Software-Routinen, die Strom sparen. (Bild: Samsung)

Für einige Hersteller ist der Stromhunger indes sogar ein Verkausargument. Nämlich dann, wenn sie Mittel gegen den hohen Verbrauch in ihre Modelle beipacken. Samsung und Sony sind die Vorreiter – und insbesondere Sony konnte uns in der Vergangenheit begeistern.

Der Stamina-Modus reduziert die Rechenleistung der Xperia-Prozessoren merklich, ruft die volle Leistung nur bei rechenlastigen Apps wie 3D-Spielen ab.

Apps werden zudem in festen Intervallen synchronisiert, die Bildschirmhelligkeit und -schnelligkeit heruntergefahren. Ein ganzes Set an kleineren Stromspar-Möglichkeiten also, die zusammen unheimlich effektiv sind.

„Doze“ als Allheilmittel?

Im Doze-Modus verbrauchen die Android-Geräte weniger Strom, da sie kau "geweckt" werden. (Bild: Google)

Im Doze-Modus verbrauchen die Android-Geräte weniger Strom, da sie kau „geweckt“ werden. (Bild: Google)

Mittlerweile nimmt Google das Problem des an den Reserven zehrenden Stromverbrauchs besonders ernst. Mit Doze brachte der Android-Konzern für Version 6.0 des mobilen Betriebssystems ein wirksames Software-Tool. Es analysiert die Lage eures Android-Gerätes – synchronisiert werden die Daten der meisten Apps nur, wenn ihr das Gerät bewegt. Andernfalls unterbindet Android Marshmallow die Kommunikation der meisten unnötigen Apps und Hintergrundprozesse. Auswirkungen auf wichtige Anwendungen wie Email-Clients oder Messenger hat das nicht, spart aber tatsächlich Strom.

Trotzdem ist Doze nur ein Anfang. Was Google fehlt, ist ein Stock Android, das allen Herstellern effektive Strompar-Möglichkeiten an die Hand gibt. Die boomenden China-Phones etwa sind mit ihrem Stock-Android kaum angepasst, verbraten deshalb unnötig Energie. Google gelobt weiter Verbesserung, muss aber auch ranklotzen.

Fazit

Strom sparen beim Smartphone? Ist möglich – in Grenzen. Einerseits bemüht sich Google, mit jeder neuen Android-Version neue Stromspar-Modi zu integrieren und energiehungrige Hintergrundprozesse und Apps auszubremsen. Andererseits handelt Google nach dem Motto: Alles oder nichts. Es erlaubt weder Nutzern noch Apps, wirklich tief ins System vorzudringen, um selbst Hand anzulegen und den Energiebedarf herunterzufahren. Deshalb helfen nur kleinere und etwas größere Tricks, um die Akkulaufzeit zu verlängern. Mit unserem Sony Xperia Z3 konnten wir die Laufzeit von einem auf drei Tage erhöhen – und das „nur“ über das Löschen unnötiger Apps, Widgets, Abschalten verschiedener Funkverbindungen und der GPS-Ortung und das Festlegen von Schlummerpausen. In unserer Nutzung schränkte uns das nicht ein, gab uns aber das gute Gefühl, in dringenden Notfällen noch ausreichende Akku-Reserven zu haben.

Unsere Tipps nochmals kurz zusammengefasst

  1. Löscht überflüssige und mehrfach installierte App-Typen: Eine Mail-App reicht, ebenso bietet der vorinstallierte Google-Kalender alle Optionen für die tägliche Ablaufplanung
  2. Deaktiviert oder taktet die Synchronisation von Facebook, Twitter, WhatsApp und Co., damit sie nur in festen Intervallen oder bei aktiver Nutzung ihre
  3. Deinstalliert/Deaktiviert die meisten Widgets – diese Hintergrundprozesse ziehen Akkuleistung, ihr Mehrwert tendiert jedoch gegen Null
  4. Seid ihr unterwegs, aktiviert LTE. Dies benötigt die gleiche Menge Strom wie 2G- und 3G-Netze, zieht Daten jedoch schneller aufs Smartphone. Der Vorteil: Das Handy verfrachtet sich schneller in den Standby
  5. Schaltet die GPS-Ortung, Bluetooth, NFC und Co. aus und nur bei Bedarf an
  6. Setzt die Displayhelligkeit auf ein erträgliches Minimum – je weniger grell der Bildschirm strahlt, desto weniger Strom zieht er. Achtet darauf, nicht die automatische Helligkeitsanpassung zu deaktivieren, diese kann zu einem allzu hohen Stromverbraucht führen
  7. Legt feste Zeiträume fest, in denen sich das Smartphone in den Schlummermodus versetzt – etwa zur Nachtruhe oder Alltagspausen, was auch hilft, nerviges Gepiepse und Vibrieren bei der Arbeit zu unterbinden
  8. Sollte euer Smartphone Android 6.0 aufgespielt haben, aktiviert den Doze-Modus – dann werden Daten nur synchronisiert, wenn ihr das Smartphone bewegt; wichtige Apps stellen trotzdem ihre Nachrichten zu