Der Trend der CES: Das Internet der Dinge?

So, obwohl wir erst Mitte Januar haben, liegt das erste Messe-Highlight bereits hinter uns. Die Consumer Electronics in Las Vegas war wieder ein Schaulaufen der Großen und Kleinen. Ein Sammelbecken an Ideen, Spinnereien und Innovationen. Was aber war der große Trend?

Eine gute Frage. Es sind nicht die Smartphones, nicht die Tablets oder Fernsehgeräte mit installiertem Android. Auch nicht Gadgets oder die Wearables (die noch immer auf ihren „Durchbruch“ warten). Es ist eine Idee, die seit Anbeginn des Internets in den 1990ern als Zukunftsvision durch den Äther mäandert: Das Internet der Dinge! Alex Hawkinson, CEO das Startups SmartThings brachte den Inhalt hinter den Worten wie folgt auf den Punkt: „Jedes Gerät muss mit jedem anderen Gerät kommunizieren können.“

Stolperstein im Internet der Dinge: Google

Fantasten sehen im Internet der Dinge einen wirtschaftlichen Wachstumsmotor. (Bild: theconnectivist)
Fantasten sehen im Internet der Dinge einen wirtschaftlichen Wachstumsmotor. (Bild: theconnectivist)

Das klingt schon mächtig. Eine Vernetzung aller Geräte mit allen Kommunikationsdiensten, mit dem Nutzer – eine künstliche Intelligenz gar, die unseren Alltag lenken und erleichtern soll. So die Utopie. Es gibt aber zwei Aspekte, die gern vergessen werden. Zum einen ist der größte Motor dieser Vernetzung ein Unternehmen, das mit Werbung und „big data“ seine Gewinne generiert – Google, wer hätt‘ es gedacht? Nachdem Android nicht nur im Smartphone oder Tablet werkelt, oft genug nun auch in der HDTV-Glotze  steckt und nun sogar von VW in neuen Automodellen verbaut wird, hat Google nicht nur einfach „big data“. Sie ermitteln in vielen Bereichen unseres Lebens. Das kann angenehm sein, weil Dienste vernetzt sind, weil sie teils „wissen“, wonach wir uns sehnen. Der Grat von der Nützlichkeit zum Missbrauch ist schmal und selbst Google schreckt bislang davor zurück, den Nutzern klar zu machen, dass sensible Daten wie jene über die individuelle Gesundheit tatsächlich unter Verschluss bleiben und eben nicht analysiert werden. Eine solche Dystopie ist allgegenwärtig und nach dem NSA-Skandal des vorvergangenen Jahres gerechtfertigt.

Dumme Geräte im Netz

Auch Samsung bediente das Klischee: Ein Kühlschrank, verbunden mit dem Internet. (Bild: buzzcom.com)
Auch Samsung bediente das Klischee: Ein Kühlschrank, verbunden mit dem Internet. (Bild: buzzcom.com)

Es gibt aber noch einen zweiten Grund: Die Geräte, die sich das Internet zu eigen machen sollen, sind – gelinde gesagt – strunzdoof. Egal ob Thermostat, Warmwasseraufbereiter, Rollladen oder Garagentor: viel mehr als ferngesteuerte Gadgets sind die vom PR-Sprech zum „Helfer“ hochgejazzten Gerätschaften nicht. Selbst der „intelligente“ Kühlschrank, bereits vor über einem Jahrzehnt mit Verbindung zum Netz ausgestattet, kann kaum mehr, als die immer gleichen Lebensmittel nachzubestellen. Allzu viele Lieferdienste dürfte es dafür nicht mehr geben, das Produkt ist gescheitert. Die Vorzeichen für das nun propagierte Internet der Dinge, das nur dadurch möglich wird, weil eine hohe Zahl an Konsumenten über Smartphones mit wenigen (Software-)Standards verfügt, stehen nach wie vor schlecht. Jeder Hersteller kocht sein eigenes kleines Süppchen, ein großes Festmahl wird daraus aber nicht. Ein Lautsprecher, der mein Bier kühlt? Okay… eine Milchflasche, die mit mir kommuniziert; ein Thermometer, das mir sagt, ob mein Badewasser zuz heiß oder angenehm ist? Nun, wenn das das Internet der Dinge sein soll, soll es nur jenen den Alltag erleichtern, die Grundlegendstes nicht auf die Reihe bekommen. Ob ich Hunger habe, muss mir kein Fitnessgürtel mitteilen – das sagt mit mein Magen. Ob ich das Milchfläschen richtig halte, suggeriert mir das Baby. Und so weiter…

Natürlich, es gibt auch größere Ideen dieses Begriffs.

 Modelle mit Potential?

Das vernetzte Heim: Alles labert mit allem. (Bild: incognito.com)
Das vernetzte Heim: Alles labert mit allem. (Bild: incognito.com)

Spielereien wie Modellhäuser, deren Systeme komplette vernetzt sind. Die Licht nur da einschalten, wo sich die Bewohner aufhalten, die Heizkosten ganz automatisch durch clevere Regelung einsparen, die Telefongespräche ganz automatisch zum Gesprächspartner umleiten. Das zeigt nur einen Bruchteil dessen, was theoretisch möglich ist. Wenn die Hersteller sich auf Standards einigen. Diese Standards sollten nicht nur technischer Natur sein – es geht weniger um den Aufbau der Daten oder wie sie versandt werden. Sondern wieder einmal um Privatsphäre, um den Schutz personenbezogener, nicht anonymisierter Daten. Das ist für Konsumenten wichtig. Und erst danach sollte die Industrie mal zeigen, was das Internet der Dinge eigentlich ist. Mein sprechender Tassenuntersetzer, der mir sagt, dass mein Kaffee zu heiß oder kalt ist, wurde übrigens entsorgt. Mal habe ich mich am brühend heißen Bohnenaufguss verbrannt, mal nicht. Dafür brauche ich aber kein „Ding“. Auch nicht ein solches, das mit dem Internet schnackt.

 (Aufmacherbild: blogspot.com)